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Wolfenbüttel

Lessing und natürlich noch vieles anderes.

Im April 2018 waren wir beim Reiseblogger Camp in Wolfenbüttel. Die Lessing-Stadt hat uns so gut gefallen, das wir im Mai noch mal hingefahren sind und diesen Podcast erstellt haben.

Wolfenbüttel

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Transkription

00:00:00 Stefan-Off
Hallo, hier ist Stefan Wintermeyer vom Reisepodcast Reisepassnummer. Heute haben wir wieder eine Familienausgabe. Meine zwei Kinder helfen mir. Stellt euch bitte mal vor.

00:00:08 Juna-Off
Ich bin die Juna Wintermeyer.

00:00:10 Aurelius-Off
Und ich der Aurelius Wintermeyer.

00:00:12 Stefan-Off
Genau, wir sind heute und morgen in Wolfenbüttel. Das ist eine kleine Stadt südlich von Braunschweig. Wir waren hier vor ein paar Wochen schon mal zu einem Reisebloggertreffen und das hat uns so gut gefallen, dass wir noch mal hergekommen sind, um einen Podcast zu machen. Als erstes gehen wir aber jetzt mal frühstücken und danach geht es dann zur Bibliothek.

00:00:35 Stefan-Off
Gefrühstückt und übernachtet haben wir im Jugendgästehaus Wolfenbüttel. Das Jugendgästehaus hat Platz für ungefähr 130 Personen, ist ungefähr auf dem Niveau von einer Jugendherberge - relativ modern. Das Gebäude ist jünger als 10 Jahre und alle sind sehr herzlich. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

00:00:59 Bibliotheksführer
Herr Wintermeyer.

00:00:59 Stefan
Herr Burgund. Hallo.

00:01:01 Bibliotheksführer
Guten Tag. Burgund. So, Sie haben Verstärkung mitgebracht? Du bist die?

00:01:06 Juna
Juna.

00:01:06 Bibliotheksführer
Die Julia.

00:01:07 Stefan
Juna.

00:01:09 Bibliotheksführer
Juna.

00:01:10 Aurelius
Ich bin der Aurelius. Aurelius.

00:01:14 Bibliotheksführer
Der Bruder?

00:01:14 Aurelius+Juna
Ja.

00:01:16 Bibliotheksführer
Gut, prima. Ja, dann fangen wir mal an. [Treppensteigen]

00:01:28 Stefan
Es ist eine aktive Bibliothek, oder?

00:01:30 Bibliotheksführer
Eine Forschungsbibliothek - kein Museum. So, bitteschön.

00:01:37 Stefan
Wenn man in die Bibliothek eintritt, dann ist das ein Gefühl, wie als wenn man in einen überdimensionalen Würfel eintreten würde. An den Wänden sind die Bücherregale - drei Stockwerke hoch. Es ist ein sehr großer Raum. Die Mitte ist leer. Es gibt da so ein paar Sitzgelegenheiten, aber da sind jetzt keine Bücherregale. Die Beleuchtung ist relativ dramatisch. Der Raum an sich ist eher dunkel, aber die Buchrücken sind angestrahlt vom Licht und das sieht schon sehr, sehr gut aus. Am Ende des Raumes geht eine Treppe runter in andere Bereiche der Bibliothek.

00:02:27 Bibliotheksführer
So, ihr seid heute die jüngsten Besucher. Dann setzen wir uns da mal an den Tisch am besten. Seid ihr denn auch schon in einer Bibliothek Kunden?

00:02:42 Aurelius
Ne.

00:02:43 Juna
Ja.

00:02:44 Bibliotheksführer
In der Schulbibliothek oder sowas? Gibt es das bei euch?

00:02:47 Aurelius
Ne, also in der Stadtbibliothek.

00:02:50 Bibliotheksführer
In der Stadtbibliothek.

00:02:51 Aurelius
Ja.

00:02:51 Stefan
In Koblenz.

00:02:52 Bibliotheksführer
In Koblenz.

00:02:53 Stefan
Genau.

00:02:53 Bibliotheksführer
Ja, also ihr seid fleißige Leseratten. Stimmt das?

00:02:56 Aurelius
Ja.

00:02:58 Bibliotheksführer
Ja, und hier sind nun ganz, ganz viele Bücher an diesem Ort. Und da kommen manchmal Leute und fragen: Haben Sie denn das alles gelesen?. Glaubt ihr, ob man das alles lesen kann?

00:03:13 Juna
Nein.

00:03:14 Bibliotheksführer
Da hätte man lange, lange, lange, lange zu tun daran, ne?

00:03:17 Aurelius
Ja.

00:03:18 Bibliotheksführer
Ja. Ja, diese Bibliothek - die Bücher sind schon sehr, sehr alt - 350 Jahre, teilweise sogar noch älter - und werden immer noch benutzt.

00:03:32 Stefan
Aber ich könnte jetzt nicht einfach mir ein Buch ausleihen als Normalsterblicher.

00:03:37 Bibliotheksführer
Doch. Sie können auch als Privatperson mit diesen Büchern arbeiten, aber Sie brauchen einen Leseausweis.

00:03:47 Stefan
Ah.

00:03:48 Bibliotheksführer
5€ kostet der und damit können Sie dann hier auch mit diesen Büchern arbeiten, allerdings dürfen die nicht mit nachhause genommen werden, wie Sie sich vorstellen können. Unter der Woche sind hier im Leseraum, im Lesesaal immer sehr viele Personen. Das sind nicht nur Wissenschaftler, die mit diesen Büchern arbeiten, ja.

00:04:10 Stefan
Und das sind ja alles alte Bücher. Darf ich die überhaupt anfassen?

00:04:13 Bibliotheksführer
Ja.

00:04:13 Stefan
Oder muss ich da irgendwelche -

00:04:16 Bibliotheksführer
Sie dürfen mit diesen Büchern arbeiten, müssen nicht mal Handschuhe tragen, allerdings geht man davon aus, dass die Benutzer wissen, wie man mit alten Büchern umgeht. Jetzt erzähle ich euch ein bisschen was über den Gründer der Bibliothek. Die Bibliothek ist sogar zweimal gegründet worden. Der erste Gründer war der Herzog Julius und die Bücher sind dann von Wolfenbüttel weggegeben worden, kamen aber dann wieder zurück. Und der zweite Gründer ist Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg. Er hat dann diese Bücher alle gesammelt. Und er ist sehr, sehr alt geworden - 87 Jahre. Als er starb, hatte er 130.000 Schriften gesammelt. Das ist eine für damalige Zeiten eine ganz, ganz gewaltige Zahl. Und diese 130.000 oder 135.000 Schriften sind eingebunden worden in 31.000 Bücher. Der Herzog schrieb auch selber Bücher, die gedruckt wurden, und er sammelte natürlich große Bücher. Er war ein studierter Mann, hatte neun Fächer von Anfang bis zu Ende studiert und er sprach die alten Sprachen - also Latein natürlich und konnte auch moderne Sprachen sprechen - Französisch. Wie das mit seinen Englischkenntnissen war, weiß man nicht so ganz genau. Damals spielte Englisch noch keine sehr große Rolle. Und der Herzog teilte seine Bibliothek ein in verschiedene Gruppen, in verschiedene Sachgruppen. Und hier im Raum sind - also 20 Sachgruppen gibt es - hier im Raum sind 4 Sachgruppen aufgestellt. 58.000 Schriften - nicht Bücher. 14.200 Bücher. Und die größte Sachgruppe ist die Theologica, also Theologie, von der Ecke dort bis hier über die Tür hinaus. Das sind, glaube ich, 38.000 Schriften eingebunden in so und so viele Bände. Dann geht es weiter mit der Abteilung Historica, also Geschichte, von dort bis in die Ecke da drüben. Und da oben, auf der obersten Etage, die beiden äußeren Abteilungen sind die zwei kleinen Sachgruppen, Arithmetica - Rechenkunst - und Oeconomica - Ratgeberliteratur. Da stehen Kochbücher. Kochbücher in fünf oder sechs verschiedenen Sprachen. Dann stehen da Bücher, in denen beschrieben wird, wie ein Garten angelegt sein soll, oder wie der Wald behandelt werden soll, damit er gute Erträge bringt, und wie man Tiere in der Landwirtschaft behandeln soll. Also ganz praktische Geschichten, ja. So, und diese Bibliothek ist zum ersten mal gegründet im 16. Jahrhundert durch Herzog Julius. Die Gründungsurkunde stammt von 1572. Der Sohn und der Enkelsohn des ersten Gründers haben die Bibliothek weitergeführt, aber der Enkelsohn gab sie dann weg nach Helmstädt an die Universität und von 1618 bis 1643 gab es in Wolfenbüttel keine Bibliothek. Die Bücher waren ja in Helmstädt. So, der Enkelsohn des ersten Gründers ist dann mitten im Dreißigjährigen Krieg gestorben ohne Nachkommen, 1634, und 1635 wurde dann Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg regierender Herzog. Da war er aber schon ein alter Mann. 56 war er da schon. Für damalige Verhältnisse ein sehr hohes Alter und er hatte bis dahin schon sehr, sehr viele Bücher gesammelt. Jetzt kam er nach Wolfenbüttel, das heißt, erst mal konnte er gar nicht kommen, weil Krieg war. Wolfenbüttel war zerstört und die Regierung war in Braunschweig. Aber dann konnte er Frieden machen und stellte seine Bücher im Pferdestall auf, im Marstallgebäude. Unten die Pferde und eine Etage darüber war die Rüstkammer. Da waren die Waffen drinnen. Die hat er rausräumen lassen und dann stellte er seine Bücher auf. Und Herzog August hatte große Reisen gemacht. Er war in Italien, in England, in Frankreich und in den Niederlanden und hatte dort die berühmten Bibliotheken gesehen. Da gab es nämlich schon eine ganze Menge. Und hat dann wahrscheinlich Anregungen aufgenommen und die dann hier in die Tat umgesetzt. Zum Beispiel die, dass er seine Sammlung in 20 Gruppen einteilte. Da drüben liegt der Katalog auf dem Bücherrad. Das sind sechs Bände - 7.200 Seiten - und -

00:09:40 Stefan
Schon gesehen?

00:09:41 Aurelius
Ja.

00:09:41 Bibliotheksführer
Wir können mal hingehen. Das Bücherrad ist so aus der Zeit um 1625, also aus dem Dreißigjährigen Krieg. Das sind nicht die Originalbände. Die Originalkatalogbände sind gerade restauriert worden. Die waren über 300 Jahre in Benutzung. Die sahen ziemlich übel aus. Also sehr, sehr angegriffen und die sind jetzt wieder gerichtet worden für viel Geld [Lachen] und digitalisiert worden. Die Bücher hatten ja damals - die neuen Drucke jedenfalls - keinen festen Einband und dann wurden die zusammengedreht und in ein Fass gesteckt und mehrere und dann wurden die, ohne dass sie beschädigt wurden, über weite Strecken transportiert. So, und dann kam so eine Wagenladung an mit Fässern, dann hat der Herzog die Fässer öffnen lassen und hat sich diese Schriften angeschaut und dann eine Inhaltsangabe gemacht und dann Zeichen vergeben, Signaturen, damit man die dann hinterher wiederfinden kann. Und dieser Katalog wird als Datenbank bezeichnet mit vielen Kreuz- und Querverbindungen. Wie sagt man auf neudeutsch? Links. Ja, er hat diese Inhaltsangaben in verschiedenen Sprachen gemacht. Er sprach ja mehrere Sprachen. Und dann bekamen die Bücher eine Nummer. So, und bei der Aufstellung der Größe nach gibt es natürlich Schwierigkeiten. Und das hat er auch gelöst. [Lachen] Gut.

00:11:16 Stefan
Hat er das alles selber gemacht?

00:11:16 Bibliotheksführer
Ja.

00:11:17 Stefan
Oder hatte der Leute dafür gehabt?

00:11:20 Bibliotheksführer
Also die ersten 23 Jahre, glaube ich, hat er den Katalog selber geführt. Insgesamt sind sechs Hände nachzuweisen und später, erst nach seinem Tode weitergeführt worden. Zu seinen Lebzeiten bekam er Schwierigkeiten mit seinen Augen - konnte nicht mehr richtig schauen und dann hat er halt auch jemanden beauftragt, einen Schreiber. Und schaut mal, wie schön der geschrieben hat. Als er starb, hinterließ er, ich glaube, ich habe es schon gesagt, 135.000 Druckwerke eingebunden in 31.000 Büchern. In einem mittelalterlichen Kloster - das Mittelalter war ja damals noch gar nicht weg - gab es ungefähr 20 Bücher und jetzt kommt da einer und der hat 31.000 Bücher. Da haben die Leute gesagt: Das ist ein Weltwunder. Ja, sowas gibt es doch nicht noch einmal, und für damalige Zeiten, für seine Lebenszeit war es so, dass es keine größere Bibliothek gab auf der ganzen Welt nicht. Er sammelte das gedruckte Wissen des 17. Jahrhunderts und auf diese Weise ist eine Bibliothek des 17. Jahrhunderts entstanden, die über eine Quellendichte verfügt, die es nirgendwo sonst gibt. Das ist auch mit ein Grund dafür, dass die Herzog August Bibliothek Nationalbibliothek für das 17. Jahrhundert ist. So, und jetzt will ich euch mal ein paar alte Bücher zeigen. Da können wir mal hineinschauen. Kennt ihr Robinson? Die Geschichte von Robinson?

00:13:01 Juna
Nein.

00:13:03 Stefan
Noch nicht. Noch nicht.

00:13:04 Bibliotheksführer
Noch nicht.

00:13:04 Stefan
Noch nicht.

00:13:05 Bibliotheksführer
Hier ist Robinson auf einem Segelschiff gefahren. Das Segelschiff ist untergegangen und dann ist er auf einer Insel gelandet und musste da ganz, ganz lange leben. So, und hier ist das Buch, das zum ersten mal die Geschichte Robinsons erzählt. 1719 in London geschrieben und ein Jahr später gab es schon in Frankreich Bücher in französischer Sprache. Dieser Text, diese Geschichte wurde dann ins Französische übersetzt und kurz darauf, im gleichen Jahr, gab es auch schon Robinson Geschichten in deutscher Sprache und in Niederländisch, in holländischer Sprache. Und das war das Buch, das am allermeisten verkauft wurde in seiner Zeit im 18. Jahrhundert. So, gut, dann schlage ich vor, wir gehen mal eine Etage tiefer. [Treppensteigen]

00:14:07 Aurelius
UNVERSTÄNDLICH.

00:14:10 Bibliotheksführer
Habt ihr schon mal was von Baron Münchhausen gehört?

00:14:13 Aurelius
Nein.

00:14:15 Bibliotheksführer
Gut. [Lachen] Dann zeige ich euch trotzdem mal ein paar Münchhausen Bücher. So, hier sind Münchhausen Geschichten aufgeschrieben. Der hat also ganz unglaubliche Abenteuer erlebt. Hier zum Beispiel war er in Russland. In Russland gibt es viel Schnee. Naja, dann hat er sein Pferd dann angebunden und am anderen Morgen war der Schnee weggetaut und das Pferd hing oben an der Kirchturmspitze. Lügengeschichten sagte man da. So, das ist das bekannteste Buch, was wir hier im Hause haben. Es war mal das teuerste Buch auf der ganzen Welt. Da hat man so viel Geld dafür bezahlt, da hätte man über 300 Autos, schöne Autos, davon kaufen können. Könnt ihr euch das vorstellen? [Lachen] Ist das Evangeliar Heinrichs des Löwen und seiner Frau Mathilde. So, hier ist alles von Hand gemacht. Ja, das Buch ist etwa 800 Jahre alt. Das ist nicht das Original. Das ist eine Nachbildung.

00:15:28 Stefan
Ja?

00:15:30 Bibliotheksführer
Ist etwa 800 Jahre alt und liegt jetzt hier bei uns im Tresor, denn, wie gesagt, wir sind hier in einem Schatzhaus für Bücher.

00:15:42 Aurelius
Was ist das eigentlich?

00:15:43 Bibliotheksführer
Das ist der Deckel. Das ist nicht das Originalbuch. Hier hat man ein Foto gemacht von dem Deckel des Buches. Wunderschön gestaltet, ne?

00:15:56 Aurelius
Ist das eigentlich -

00:15:57 Bibliotheksführer
Bitte?

00:15:58 Aurelius
Wie ist das eigentlich? War das eigentlich dann UNVERSTÄNDLICH oder wurde das gemalt, das Gold da?

00:16:07 Bibliotheksführer
Das ist gegossen - Messing - und hier in der Mitte ist eine Kapsel und da sind Reliquien drin, also Knochen von Heiligen.

00:16:20 Stefan
Ok.

00:16:23 Bibliotheksführer
Das ist nachträglich. Dieser Einband ist nachträglich geschaffen worden, aber auch schon uralt.

00:16:32 Juna
Eine Frage: Ist das dadrauf echtes Gold oder -

00:16:37 Bibliotheksführer
Nein, nein, das ist kein Gold. Das ist vielleicht vergoldet. Ja, aber echtes Gold, das wäre viel, viel, viel zu teuer geworden. Das ist eine Holzplatte - wahrscheinlich eine Holzplatte - und da ist ein Samttuch darunter und dann hat man diese Beschläge da aufgebracht.

00:16:55 Juna
Ah.

00:17:01 Bibliotheksführer
So, das ist hier ein Globus von einem ganz berühmten Kartographen, Gerhard Mercator, 1541. Er hat immer einen Himmelsglobus und einen Erdglobus verkauft. Es gibt, glaube ich, nur noch insgesamt 22 Stück. Ganz erstaunlich, was 1541 schon dargestellt werden konnte.

00:17:23 Stefan
Ja.

00:17:24 Bibliotheksführer
Ganz erstaunlich. So, und hier ist so ein Gerät, das zeichnet wahrscheinlich die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit auf.

00:17:36 Stefan
Ach, ich dachte, das wäre für Erdbeben, aber nein.

00:17:39 Bibliotheksführer
Nein, nein. Nein, nein, denn es muss ja gewährleistet sein, dass es hier nicht zu feucht wird. Übrigens: Das ist das größte der aufgestellten Bücher - 12kg. Zwei von denen sind schwerer als du. Hier ist das kleinste der aufgestellten Bücher. Könnt ihr es sehen? Ja?

00:18:08 Aurelius
Ja.

00:18:09 Bibliotheksführer
Das ist aber nicht das kleinste, was wir haben. Das kleinste ist so groß wie mein Daumennagel. So groß wie eine Briefmarke. Gedruckt und gebunden.

00:18:21 Aurelius
Ganz schön klein.

00:18:22 Bibliotheksführer
Ja, ja. Das ist das Kabinett Zapf. Hermann Zapf und seine Frau haben etwa 200 Alphabete gestaltet. Sie haben die Schriftgestaltung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz entscheidend mitgeprägt und er hat nicht nur lateinische Alphabete gestaltet, sondern auch kyrillische und arabische Schriftzeichen gestaltet. Also sehr einflussreich. Er war ein Pionier der Computer-Schriften, hatte eine Professur für die Computerschriften in den USA. Latino stammt zum Beispiel von ihm. Dann, was haben wir hier noch? Italic, dann die Dingbats gehen auch auf ihn zurück und so weiter und so weiter und alles, was hier an der Wand zu sehen ist, ist mit der Hand geschrieben. Kuckt euch das mal an.

00:19:31 Stefan
Wahnsinn.

00:19:33 Bibliotheksführer
Mit der Hand, nicht gedruckt.

00:19:37 Juna
Eine Frage.

00:19:38 Bibliotheksführer
Ja?

00:19:43 Juna
Was wollte ich noch mal fragen? Ach, ich weiß es wieder. Was soll eigentlich dieses Zeichen da?

00:19:51 Bibliotheksführer
Das ist Yin und Yang. Das ist ein koreanisches und asiatisches Zeichen. Das hat sehr viele Bedeutungen. Männlich und weiblich und ich weiß nicht was. Gut und böse. Gute Frage. Hat mich noch niemand gefragt.

00:20:10 Aurelius
Ist das sowas? So eine -

00:20:13 Bibliotheksführer
Das ist so eine Druckplatte, ne? Mit dieser Platte ist das Blatt gedruckt worden.

00:20:18 Aurelius
Ok.

00:20:20 Bibliotheksführer
Spiegelverkehrt.

00:20:21 Aurelius
Und damit wurden dann -

00:20:22 Bibliotheksführer
Das sind die Stichel. Damit wird dann die Rille gestochen. Graviert nennt man das.

00:20:33 Juna
Eine Frage.

00:20:34 Bibliotheksführer
Ja.

00:20:36 Juna
Gab es da noch kein Schwarz und Weiß oder warum ist das -

00:20:40 Bibliotheksführer
Nein, nein, das ist - doch, doch, doch, doch. Da hat man halt Gold genommen als Untergrund, ne? So, und hier zum Abschluss noch ein Spruch: Der Mensch lebt so dahin und nimmt es nicht in Acht, wie jede Stunde ihm sein Leben kürzer macht. [Lachen] Tja. Ja, ihr habt eine ganze Menge Fragen gestellt. Normalerweise fragen Kinder sehr wenig, aber man merkt, dass ihr schon eine Ahnung von Bibliotheken habt, dass ihr Bibliothekskunden seid.

00:21:15 Stefan
Ja.

00:21:16 Bibliotheksführer
Ich muss jetzt leider los.

00:21:18 Stefan
Kein Ding. Vielen, vielen Dank. Es war sehr gut. Hat mir sehr gefallen.

00:21:22 Bibliotheksführer
Schön.

00:21:22 Stefan
Und danke, dass Sie sich so den Kindern auch angenommen haben.

00:21:25 Bibliotheksführer
Ja, natürlich. Deshalb -

00:21:28 Stefan
Sagt ihr mal Tschüß?

00:21:28 Bibliotheksführer
Deshalb bin ich ja mitgegangen. Also alles Gute, ne? Habt ihr jetzt Ferien oder was?

00:21:32 Aurelius
Ne, nur langes Wochenende.

00:21:35 Bibliotheksführer
Ach, jetzt wegen Himmelfahrt.

00:21:36 Stefan
Genau.

00:21:36 Bibliotheksführer
Also.

00:21:37 Stefan
Danke, bis dann.

00:21:37 Bibliotheksführer
Tschüß.

00:21:37 Stefan
Tschüß.

00:21:38 Bibliotheksführer
Ade.

00:21:40 Stefan-Off
Nach unserem Besuch in der Bibliothek sind wir ins Stadtbad Okeraue gegangen. Das ist das Schwimmbad in Wolfenbüttel und das ist ein richtig, richtig gutes Schwimmbad. Der Preis ist recht günstig. Ich habe bezahlt für einen Erwachsenen und zwei Kinder 11,50€ für die Tageskarte. Kann man nichts zu sagen. Und das ist ein richtig tolles Schwimmbad. Aurelius, wie hat dir das gefallen?

00:22:04 Aurelius-Off
Mir hat das Schwimmbad auch sehr gut gefallen. Neben dem Schwimmbad ist auch noch so ein kleiner Minigolfplatz. Da waren wir auch mal kurz. Der war auch sehr gut.

00:22:16 Stefan-Off
Genau, den muss man aber extra bezahlen.

00:22:21 Aurelius-Off
Ja, und im Sommer kann man auch das Dach hochfahren. Also wie beim Cabrio.

00:22:27 Stefan-Off
Genau, das Schwimmbad hat so ein Dach, das man verschieben kann. Das wird im Sommer aufgemacht. Ansonsten gibt es da mehrere Schwimmbecken, also es gibt für Babys was, für kleine Kinder was, es gibt einen Schwimmer-Bereich, also zum Bahnenschwimmen und noch ein drittes Becken, es gibt einen Außenbereich, es gibt so ein angeschlossenes Freibad. Es ist eine riesige Anlage. Wahrscheinlich mit das schönste Schwimmbad, was ich in Deutschland jemals gesehen habe. Oder, Aurelius, hast du schon mal ein schöneres gesehen?

00:23:00 Aurelius-Off
Ich glaube nicht. Nein.

00:23:02 Stefan-Off
Ne, gell? Also wenn man da mal in der Nähe ist, auf jeden Fall da hingehen. Das ist auf jeden Fall gut investierte Zeit, gut investiertes Geld. Am zwoten Tag sind wir dann ins Stadtzentrum gegangen, auf den Rathausplatz und haben da eine Stadtführung gemacht. Und da blende ich jetzt ein.

00:23:23 Stefan
Das UNVERSTÄNDLICH ist da, aber da treffen sich Leute. Vielleicht treffen die sich da. Vielleicht ist das falsch kommuniziert. Wir gehen mal da vorne hin.

00:23:31 Stadtführer
Morgen.

00:23:32 Stefan
Guten Morgen.

00:23:32 Stadtführer
Sie sind Herr Wintermeyer, ne?

00:23:34 Stefan
Genau. Herr Higl?

00:23:34 Stadtführer
Ja. Grüße Sie recht herzlich. Hallo.

00:23:35 Stefan
Das sind meine Kinder.

00:23:37 Stadtführer
Hallo, grüßt euch.

00:23:38 Stefan
Das ist die Juna.

00:23:39 Stadtführer
Hallo.

00:23:39 Juna
Hallo.

00:23:40 Stefan
Jawohl jetzt machen wir -

00:23:42 Stadtführer
Ach, ja, kein Problem. Ich wollte einfach nur mal die Augen gesehen haben, ne?

00:23:44 Stefan
Ok.

00:23:46 Stadtführer
Gut, ja, Wolfenbüttel. So ein bisschen Allgemeines haben Sie vielleicht gehört, aber ein paar Sachen einfach vorweg.

00:23:50 Stefan
Ja.

00:23:50 Stadtführer
Erst mal: Wenn Fragen sind, immer raus damit, ne? Ihr geht schon zur Schule bestimmt?

00:23:54 Aurelius+Juna
Ja.

00:23:55 Stadtführer
Und da habt ihr auch gelernt: Es gibt keine dummen Fragen. Gut, so ein paar Formalien nur vorweg: 1118 die erste urkundliche Erwähnung. Man weiß in der Regel bei alten Orten nie, wie alt sind sie wirklich.

00:24:05 Stefan
Ja.

00:24:06 Stadtführer
Klar, kann auch 100 Jahre schon älter sein, aber wann steht zum ersten mal auf einer Urkunde mit Siegel und Wappen das Datum 1180? Und wenn ihr jetzt mal da draufkuckt - ihr könnt ja schon lesen bestimmt.

00:24:14 Aurelius
Ja.

00:24:15 Stadtführer
Aha. Was für eine Zahl steht da oben?

00:24:18 Aurelius
900?

00:24:19 Stadtführer
900, das heißt, Wolfenbüttel feiert in diesem Jahr Geburtstag, einen besonderen Geburtstag. 900 Jahre.

00:24:23 Stefan
Ja.

00:24:24 Stadtführer
Ist eigentlich relativ spät, die erste urkundliche Erwähnung oder Gründung, wenn man das ruhig mal so belässt, denn hier gibt es Orte um Wolfenbüttel herum so 8., 9. Jahrhundert.

00:24:35 Stefan
Ja.

00:24:35 Stadtführer
Von den Sachsen geprägt die Region.

00:24:36 Stefan
Ok.

00:24:37 Stadtführer
Wir sind ja hier in Niedersachsen, ne?

00:24:39 Stefan
Ja.

00:24:40 Stadtführer
Also, aber in diesem Jahr - und wenn ihr dann im Sommer noch mal wiederkommt, gibt es viele Feste, Stadtgrabenfest, Altstadtfest. Dieses Jahr ganz aktuell jetzt Lessingfest - haben Sie vielleicht auch gelesen. Toleranz und Verantwortung ist so dieses Stichwort et cetera. Also einfach dieses Jahr ist richtig was los. Die Wolfenbütteler sind sonst mehr so die bisschen Ruhigen, Bedächtigeren, aber wenn gefeiert wird, dann kommen sie alle so raus, ne? Ja, zum Namen vielleicht noch etwas: Der Name Wulferisbuttler kommt praktisch auch aus der damaligen Zeit - der Urname von Wolfenbüttel. Wulferis war so ein alter sächsischer Eigenname.

00:25:14 Stefan
Ja.

00:25:15 Stadtführer
Von einem der Sachsen, die hier geherrscht haben, und Buttle stand so für kleines Anwesen, kleine Gemeinde, kleiner Ort. Wo kommt ihr - aus, war das?

00:25:22 Stefan
Koblenz. Koblenz, genau.

00:25:24 Stadtführer
UNVERSTÄNDLICH so ein bisschen gekuckt hier. Ist natürlich ein bisschen größerer Ort hier. Das ist schon klar.

00:25:27 Stefan
Wie viele Einwohner hat Wolfenbüttel?

00:25:29 Stadtführer
Also insgesamt 55.000 und dazu gehören aber etwa so zehn Dörfer um Wolfenbüttel herum, die eingemeindet sind, die mittlerweile zur Stadt dazugehören.

00:25:37 Stefan
Ah, ok.

00:25:38 Stadtführer
Der eigentliche Kernbereich sind ungefähr so 45.000. Also ein kleines Mittelstädtchen kann man sagen, Mittelzentrum, und unser Oberzentrum ist ja nicht weit weg von hier - die Stadt Braunschweig.

00:25:48 Stefan
Ah, ok.

00:25:49 Stadtführer
Gut, ja, das dazu so ein bisschen. Ja, hier in diesem Bereich - das ist so der Hauptbereich von Wolfenbüttel, sagen wir mal, das Zentrum von Wolfenbüttel: Der Stadtmarkt. Mittwochs ist hier Markttag, Samstags ist hier Markttag und ich sage es immer so: Samstags für jeden richtigen Wolfenbütteler - der nimmt auch seine Kinder mit. Was macht man vormittags? Geht in die Stadt auf den Markt. Ja, geprägt ein Schwerpunkt durch das Rathaus, vor dem wir hier so stehen. Das ist ungefähr so 400 Jahre alt, also um 1600 entstanden.

00:26:17 Stefan
Ja.

00:26:18 Stadtführer
Und hier war alles sehr sumpfig, sehr morastig. Hier musste man erst mal das Ganze trockenlegen, damit man überhaupt so langgehen kann, so wie wir das heute machen, damit man vernünftig hier gehen kann, und dann wurde hier, wie gesagt, das Rathaus errichtet und das war der Kernbereich des Rathauses und dann ging es immer weiter, immer größer wurden die Aufgaben der Stadt, die Einwohnerzahl wuchs, also wurde der Bereich auch größer. So, jetzt habe ich eine Frage an euch: Wisst ihr, was eine Elle ist?

00:26:45 Aurelius
Ja.

00:26:45 Juna
Ich habe es, glaube ich, schon mal gehört.

00:26:46 Stadtführer
Was ist eine Elle?

00:26:48 Juna
Ich habe es vergessen, aber ich weiß es, glaube ich.

00:26:50 Aurelius
Ich glaube, irgendwie das hier. Also so ein Messgerät.

00:26:51 Stadtführer
Ja, du fasst es schon an hier, ne? Das ist eine Elle.

00:26:54 Juna
Ach ja, stimmt. Bei Englisch haben wir das ja letztens gelesen.

00:26:57 Stadtführer
Genau, und eine Elle war früher wichtig. Für was war eine Elle wichtig?

00:27:02 Aurelius
Messen.

00:27:03 Stadtführer
Zum Messen, genau.

00:27:04 Juna
Ich weiß das. In Englisch, da haben wir nämlich so ein kleines Englischbuch gemacht mit den Körpermessgeräten.

00:27:13 Stadtführer
Ok, und jeder von uns hat eine andere Elle, ne? Ist so, ne? Deine ist ein bisschen kürzer - die wächst natürlich noch - als meine. Ihre ist wahrscheinlich noch ein bisschen länger als meine. Ist ein bisschen größer. Und so war es früher auch in den Städten. Jeder Ort hatte seine eigene Elle gehabt, ne? Und wisst ihr denn, wie lang die Wolfenbütteler Elle ist?

00:27:31 Aurelius
Äh, nein.

00:27:31 Stadtführer
Ne, ne? Ich auch nicht. Wollen wir mal nachmessen gehen?

00:27:35 Aurelius
Ok.

00:27:36 Stadtführer
Ja? Dann kommt mit. Dann kucken wir mal. So, jetzt kuckt euch mal um. Könnt ihr euch vorstellen, wo vielleicht die Elle ist? Die Wolfenbütteler Elle. Wird schon fast ganz heiß. Ihr verbrennt euch vielleicht dran.

00:27:56 Juna
Sowas?

00:27:56 Stadtführer
Ja, genau, das ist die Wolfenbütteler Elle. Hat man extra hier festgemacht, dass nicht jeder die mit nachhause nimmt. Dann vergisst man die vielleicht, wieder zurückzubringen. So, und von wo bis wo geht das Maß der Elle jetzt? Kuckt euch das mal an. Hallo, Wolfang, grüße dich.

00:28:13 Aurelius
Ich glaube, von hier bis da.

00:28:16 Stadtführer
Ja, noch was ganz - von da, genau. Praktisch von hier. Hier fängt schön dieser grade Bereich an. Das ist noch so ein bisschen UNVERSTÄNDLICH oder irgendwo muss die Elle ja fest sein. Also von hier bis nach da und das ist eigentlich - wenn man das so sieht -

00:28:27 Stefan
Ist deutlich länger als eine Menschenelle, ja.

00:28:29 Stadtführer
Eine ganz schön lange Elle hier, ne?

00:28:31 Stefan
Ja.

00:28:31 Stadtführer
Warum auch immer das entstanden ist. Also die Frage konnte mir bis dato auch keiner beantworten. Man muss sich einfach nur mal einigen auf ein Maß und das war es halt. So, jetzt kannst du nachmessen. Also wie lang ist die Elle? Ich wusste es auch nicht, dann merke ich mir das gleich mal für folgende Generationen.

00:28:45 Aurelius
UNVERSTÄNDLICH bei Null.

00:28:49 Stadtführer
Genau, das ist richtig. UNVERSTÄNDLICH. Ok, und wie viel ist sie?

00:28:56 Aurelius
Ungefähr 57cm und 5mm.

00:29:04 Stadtführer
5mm, ok. Also 57,5cm. Ok, also das muss ich mir jetzt auch mal merken, ne? Also das war jetzt ein Längenmaß. Wenn sich gestritten wurde in der Stadt - es wurden Stoffe zum Beispiel verkauft. Da ging es auch nach der Länge. Wie lang ist denn der Stoff jetzt? Und man hat sich nicht geeinigt, dann hat man gesagt: Komm, ab ins Rathaus, hier ist das richtige Längenmaß, die Elle, und dann kucken wir mal, was jetzt UNVERSTÄNDLICH, und da geht es ja auch darum: Was muss bezahlt werden? Und das Besondere an der Stadt - aber das können wir am Modell noch mal sehen - dass hier praktisch so diese ganzen Straßen im Kernbereich alle geplant aufgebaut worden sind in Ost-West-Richtung. Das heißt, aus dem Osten kommend die Straßen alle auf den Mittelpunkt der damaligen, kleinen Welt hier zuliefen, nämlich auf das Schloss, wo der Herzog residiert hat.

00:29:50 Stefan
Ok.

00:29:50 Stadtführer
Das war so der Hintergrund. Sonst viele Städte hier - waren Sie Goslar zufällig schon mal hier in der Nähe hier?

00:29:55 Stefan
Irgendwann, aber schon lange her, ja.

00:29:58 Stadtführer
Auch eine ganz tolle Fachwerkstadt, aber alles, so die Straßen, krumm und schief. Ich sage mal, so wie die Gosau, so ein Fluss, geflossen ist, so hat man halt die Häuser hingepackt. Hier hat man auf dem Reißbrett diese Linien gezogen und alles praktisch dann so hier in diese Richtung auslaufen lassen zum Schloss, wo wir natürlich auch gleich mal UNVERSTÄNDLICH. So, zu diesem Platz hier: Das sind die Krambuden. Der Name wird euch erst mal nichts sagen. Und früher die Leute - hier seht ihr ja viele Geschäfte hier so drinnen, ne? Hier überall. Und früher die Kaufleute - heute sagen wir Kaufleute dazu, ne? Und früher waren das die Krämersleute. So hieß es früher. Die Krämersleute. Und deswegen waren das früher die Krambuden. Daher kommt der Name halt. Die Krambuden. Und jetzt, wenn ihr mal hier nach oben vielleicht kuckt hier, da seht ihr oben so ein Tor da oben drinnen und da oben so einen Ausleger, der so aus der Wand rauskommt.

00:30:48 Juna
Ich glaube, das ist halt - da hat man -

00:38:52 Aurelius
Mehl vielleicht.

00:38:53 Juna
Ja. Also Waren halt hochgezogen.

00:31:00 Stadtführer
Genau. Da sieht du auch so eine Rolle dadrin, wenn man genau hinkuckt. Da war so ein Seil da drin und dann konnte man das - häufig waren es ja auch Säcke, die man hatte. Säcke oder Kisten. Und dann konnte man an dem Seil die Kisten nach oben ziehen oder die Säcke nach oben ziehen - Mehl oder auch andere Dinge . dann hat man die Klappe aufgemacht und dann konnte man das schön wunderbar einlagern.

00:31:17 Stefan
Gibt es echt überall. Kuck mal, hier auch.

00:31:18 Stadtführer
Überall. Seht ihr da noch, ne? Hier, genau.

00:31:21 Aurelius
Ist mir noch gar nicht aufgefallen.

00:31:22 Stefan
Ja, habe ich auch noch nicht gesehen.

00:31:24 Stadtführer
Ja, ja, genau.

00:31:25 Juna
Mir schon.

00:31:25 Stadtführer
Man kuckt ja auch selten nach oben, wenn man durch so eine Stadt geht, ne? So, das ist jetzt das schöne Schloss hier. Früher war hier mal eine Burg, aber wenn man so als Herrscher sich darstellen will, wenn man so Gäste empfangen will - so eine Burg habt ihr bestimmt auch schon gesehen, ne?

00:31:38 Aurelius+Juna
Ja.

00:31:39 Stadtführer
So dicke, große Mauern und so weiter. Aber das hat nichts Schöne eigentlich, ne? Und da hat der Herzog gesagt vor 300 Jahren: Aus der Burg, da mache ich was Schönes. Ein schönes Schloss. Die Burg mache ich viel größer. Schöne Fenster baue ich hier rein. Schöne Figuren, also das alles, was ihr hier seht, und so, wenn man jetzt hier jemanden besucht, denkt man: Oh, das ist ja ein schöner Standort. Hier komme ich gerne zu Besuch hin. In so eine Burg - naja, was anderes vielleicht. So, und das ist jetzt so praktisch die Außenmauer der Burg hier. Bis hier ging die Burg. Das war eine Wasserburg, deswegen ist auch ein Wassergraben um die Burg und hier sieht man, hier war das alte Tor drinnen. Und hier in dem Bolzen praktisch UNVERSTÄNDLICH, hier hat das Tor drinnen gehangen. Da kann man sich vorstellen hier, was das für ein Tor gewesen sein mag, ne?

00:32:28 Stefan
Ja.

00:32:29 Stadtführer
Da konnte man nicht einfach mal so, wie man das heute im Fernsehen sieht, mal so ein bisschen gegentreten und dann ist das aufgegangen oder kaputtgegangen. Also hier war schon richtig eine ganz massive Tür, Tor drinnen halt.

00:32:38 Aurelius
Das sieht man.

00:32:38 Stadtführer
Das sieht man, ne? Genau. So, jetzt habe ich hier eine Aufgabe an euch.

00:32:42 Juna
Ja?

00:32:44 Stadtführer
Kuckt euch mal die Fenster hier an. Vielleicht fällt euch bei den Fenstern ja ein bisschen was auf.

00:32:46 Aurelius
Ich sehe es. Das habe ich schon eigentlich gestern gesehen.

00:32:50 Stadtführer
Ach, kennst du schon. Ja, nämlich?

00:32:52 Aurelius
Die sind manchmal gemalt.

00:32:54 Stadtführer
Ja, genau. Hast du also schon gesehen gestern, ok. Und wenn man genau hinkuckt, dann sieht man: Das sind eine ganze Menge, die nur gemalt sind, ne? Nicht nur diese hier so, sondern wenn ihr auch nach oben da kuckt, ja?

00:33:04 Aurelius
Ja.

00:33:05 Stadtführer
Also ich sage mal so: Round about fast jedes dritte, vierte Fenster vielleicht - UNVERSTÄNDLICH. Ich habe sie noch nicht einmal gezählt. Müsste man mal machen - sind aufgemalt. Und wenn man manchmal gar nicht so genau hinkuckt, dann merkt man das gar nicht, ne? Oder ist das euch gestern gleich aufgefallen, dass die aufgemalt waren?

00:33:20 Aurelius
Nicht direkt.

00:32:21 Stadtführer
Nicht direkt, ne? Man muss da schon genau hinkucken so. Ist manchmal auch eine Frage: Wie ist das Licht so, ne? Manchmal kann man es sehr schön sehen und manchmal, wenn es ein bisschen schummrig ist, merkt man das gar nicht so, ne? Und warum hat man das gemacht? Ha.

00:33:32 Juna
Ach so, damit die Angreifer dachten, da wären Fenster und dann haben die da geschossen vielleicht.

00:33:37 Stadtführer
Die Idee ist schon gar nicht so ganz schlecht. Von außen würde es gut passen. Auch von außen sind einige aufgemalt, aber hier geht es jetzt mehr um die Gäste, die zu Besuch kommen. So wie ihr, ne? Was wollte man denen zeigen?

00:33:48 Aurelius
Dass man gut malen kann oder dass es schön aussieht.

00:33:52 Stadtführer
Dass es schön aussieht, ne? Kuck mal, so schön gleichmäßig. Man kommt hier rein und schön gleichmäßig alle diese Fenster, ne? Wunderbar, ne? Und überall, wo jetzt die Fenster aufgemalt sind - wenn man das nur hätte so einfach angemalt, dann würde es sehr unruhig aussehen, ne? Dann hat man mal Fenster, mal hat man wieder keine, dann hat man mal wieder welche. Das wirkt dann so ein bisschen gestoppelt, ne? Und so sieht es sehr schön gleichmäßig aus und man denkt: Oh, das ist ja ein toller Hof hier eigentlich. Alles voller Fenster.

00:34:20 Aurelius
Aber der Herzog, war das eigentlich August - war das eher der Vorname oder der Nachname?

00:34:26 Stadtführer
Die hatten oft nur einen Namen gehabt. Die hatten nur einen Namen. Manchmal hatten sie noch einen Zusatz gehabt und zwar das war Herzog August, der Jüngere, weil es mehrere Augusts gab. In Dresden zum Beispiel gab es Herzog August, den Starken, und dann gab es den Jüngeren, dann gab es Herzog August dann - oder es gab noch andere Namen. Der Herzog Heinrich, der Ältere, zum Beispiel. Wenn es mehrere Heinrichs gab, dann war der eine der Ältere und der andere war der Jüngere. Dann gab es ganz verrückte Namen teilweise. Der Wunderliche gab es und Otto, der Kleine, und ach wie sie alle hießen da. Das ist ganz witzig. Aber eigentlich hatten sie nur einen Namen, aber oft so ein kleiner Zusatz, damit man wusste: Wer ist es denn genau von diesen verschiedenen, ne? So, früher gab es ja viele Pferde auch hier. Da gab es ja noch keine Autos im 16., 17. Jahrhundert. So, und wenn die Pferde mal Durst hatten - [Husten] Gesundheit - was haben sie dann gemacht? Was brauchten sie?

00:35:22 Aurelius+Juna
Wasser.

00:35:23 Stadtführer
Ja, und wo haben sie das hergeholt?

00:35:24 Aurelius
Da, glaube ich?

00:35:25 Stadtführer
Ja, genau. Das kann man ganz gut sehen, denn hier an so einer Mauer - das ist gar nicht so einfach, dass das Pferd was zu Trinken kriegt, ne? Und hier kann man sehr schön sehen: Das war die -

00:35:36 Aurelius
Ich glaube, das hier war -

00:35:36 Stadtführer
Genau, das war die -

00:35:37 Aurelius
Da war so ein Tor UNVERSTÄNDLICH.

00:35:39 Stadtführer
Also, aber in diesem Jahr - und wenn ihr dann im Sommer noch mal wiederkommt, gibt es viele Feste, Stadtgrabenfest, Altstadtfest. Dieses Jahr ganz aktuell jetzt Lessingfest - haben Sie vielleicht auch gelesen. Toleranz und Verantwortung ist so dieses Stichwort et cetera. Also einfach dieses Jahr ist richtig was los. Die Wolfenbütteler sind sonst mehr so die bisschen Ruhigeren, Bedächtigeren, aber wenn gefeiert wird, dann kommen sie alle so raus, ne? Ja, zum Namen vielleicht noch etwas: Der Name Wulferisbuttler kommt praktisch auch aus der damaligen Zeit - der Urname von Wolfenbüttel. Wulferis war so ein alter sächsischer Eigenname.

00:37:56 Juna
Bei uns wurde gesagt, dass das sogar früher die größte - Bibliothek mit den meisten Büchern der Welt war.

00:38:10 Stefan
Ja, früher war Europa und die Welt fast ähnlich.

00:38:13 Stadtführer
Fast gleich, ja. Ich habe es immer so von Europa gehört. Jetzt weiß ich nicht, ob vielleicht noch im arabischen Raum oder so da hier -

00:38:21 Stefan
Auf jeden Fall war es mit eine der größen.

00:38:23 Stadtführer
Ja, definitiv. Genau, also das ist so, genau. Und auch sehr wertvolle, teure Bücher. Da habt ihr einige gestern ja bestimmt auch in dem Raum gesehen, ne?

00:38:31 Stefan
Ja.

00:38:32 Stadtführer
Und wie gesagt, Lessing hat hier gewohnt. Erst mal im Schloss, dann kam er hierher. Das Haus wurde frei, dann hat er hier seine Frau geheiratet, Eva König. Da fing aber auch sein Unglück an. Weihnachten 1777 hat sie ihm einen Sohn geboren, aber der hat die ersten 24 Stunden nicht überlebt und zu allem Unglück ist dann sie 14 Tage später auch gestorben. Also da hat er Frau und Kind verloren. Das war keine leichte Zeit für ihn. Aber er hat die Emilia Galotti geschrieben in Wolfenbüttel. Nathan der Weise kennt man vielleicht mit der Ringparabel, diese Figur. Dann hat er Nathan den Weisen - also er hat schon hier auch sehr, sehr viel gemacht und auch bewegt hier in Wolfenbüttel und deswegen nennt Wolfenbüttel sich auch Lessingstadt.

00:39:11 Stefan-Off
Neben der Bibliothek gibt es noch ein anderes, kleines Museum und dort gibt es ein Modell der Stadt Wolfenbüttel und das schauen wir uns jetzt mal an.

00:39:22 Stadtführer
Die fragen immer nach der Postleitzahl. Die müssten Sie dann -

00:39:25 Stefan
5-6-0-6-8.

00:39:27 Frau
Warten Sie, so, jetzt habe ich es erst mal aufgenommen. 5 -

00:39:33 Stefan
6-0-6-8.

00:39:33 Frau
Jawohl. Recht schönen Dank.

00:39:37 Stadtführer
Ok.

00:39:39 Juna
UNVERSTÄNDLICH noch fragen?

00:39:41 Stadtführer
Ja, bitte.

00:39:41 Juna
Ich hab es aber vergessen wieder.

00:39:42 Stadtführer
Gut. Wenn es dir einfällt, dann raus damit. So, das ist das alte Wolfenbüttel vor ungefähr 250 Jahren. Also ein paar Jahre her, ne? Und was man erst mal sieht - ihr seht ja sehr viel Blau hier um Wolfenbüttel herum.

00:39:57 Aurelius
Ja, das sind die Flüsse und so.

00:39:59 Stadtführer
Genau, das steht für Wasser, für die Flüsse, ne? Das heißt, Wolfenbüttel ist komplett von der Oker umflossen worden und auch viele Wasserwege - aber sieht man hier auch der große Graben - gingen direkt durch Wolfenbüttel durch. Und dann kann man eins noch ganz gut sehen: Wenn ihr hier mal so ein bisschen hinkuckt. Hier, hier so, ja? Das ist die Stadtmauer von Wolfenbüttel. Muss man sich vorstellen so etwa 10m hoch. Ja, war schon ganz schön schattig hinter der Mauer hier, ja? Und das war der Schutz dann entsprechend gegen fremde Soldaten, gegen die Feinde. Die mussten erst mal durch das Wasser durch, wenn sie nach Wolfenbüttel kommen wollten, und dann waren sie an der Mauer und wenn sie an der Mauer waren, dann wurden sie hier von diesen Bastionen - das sind so diese Eckpunkte - entsprechend beschossen, angegriffen, damit sie nicht über die Mauer in die Stadt reinkonnten.

00:40:41 Stefan
Ist das jemals passiert oder -

00:40:43 Stadtführer
Nein, in dieser Form nicht, aber ich sage gleich noch mal, dass Wolfenbüttel zweimal geknackt worden ist. Da kommen wir gleich noch mal dazu. Sage ich gleich noch was zu. Also das waren die Bastione und hier waren dann immer so die Soldaten auch entsprechend mit ihren Waffen, mit ihren Kanonen und allem, was sie hatten, um entsprechend dann die Stadt zu verteidigen. Und dieser Bereich hier - da seht ihr das Schloss - das können wir, glaube ich, noch ganz gut erkennen - dahinter, diese Kapelle, die gibt es nicht mehr. Die ist dann auch irgendwann aus Holz - baufällig gewesen. Hat man abgerissen, aber das Gebäude, das kennt ihr hier. Wir stehen hier in diesem Gebäude innen drin. Das ist früher mal eine Turnhalle gewesen. Die Jahnturnhalle. Das war die Turnhalle für das Gymnasium im Schloss, als da die ganzen Mädchen noch waren - nur Mädchen waren - hatten sie hier ihren Sportunterricht hier. Und ich hab hier mal Basketballspielen gelernt. Wolfenbüttel ist eine Basketball-Stadt und da war hier früher so Basketball los. So, dann die Bibliotheksrotunde, die es heute nicht mehr gibt, wo du gefragt hattest: Wo stand die denn?. Das ist das Lessinghaus. Da sind wir hier so langgegangen. Heute - die Bibliothek steht etwa hier so, ne? Diese große Bibliothek. Und das war die alte Bibliotheksrotunde. Die stand dann hier so auf diesem Rasen etwa.

00:41:50 Juna
Habe ich auch mir schon gedacht.

00:41:51 Stadtführer
Ja? Genau.

00:41:53 Aurelius
Was ist das da?

00:41:54 Stadtführer
Das war die alte Bibliothek. Hier war Lessing. Der wohnte hier in dem Haus. Also ein ganz wichtiger Schriftsteller. Und der hatte die Verantwortung für die Bibliothek, für die 135.000 Bücher.

00:42:04 Stefan
Das hier sieht heute ganz anders aus. Diese Mauer gibt es nicht mehr. Wir sind quasi jetzt hier, wo das Wasser ist.

00:42:10 Stadtführer
Genau.

00:42:10 Stefan
Und früher war das so.

00:42:13 Stadtführer
Und die ganzen Stadtmauern - mehr oder weniger - es gibt nur noch ganz, ganz wenig davon - hat man alle abgerissen. Man wollte die Mauer nicht mehr haben. Die hatten auch keine militärische Bedeutung mehr und dann hat man dort, wo die Mauern waren, teilweise sehr schöne Häuser gebaut.

00:42:26 Stefan
Wie viele Menschen haben jetzt hier ungefähr gewohnt?

00:42:28 Stadtführer
Also das waren ungefähr in der Zeit so 9.000 Menschen, die da damals waren. Und dann etwa, als der Herzog dann ausgezogen ist nach Braunschweig, dann sind etwa 3.000 Wolfenbütteler mit ihm mitgegangen.

00:42:40 Stefan
Oh.

00:42:41 Stadtführer
Handwerker, Soldaten, alles was dazugehört - der ganze Hofstaat gehörte dazu. Und das war eine ganz, ganz arme Zeit für Wolfenbüttel damals.

00:42:48 Stefan
Ja, ein Drittel, das macht einen Unterschied.

00:42:50 Stadtführer
Und Wolfenbüttel hat sich wieder so ein bisschen gefangen. Warum? Um die Stadt herum wurden dann Flächen frei, die früher so die Herzöge hatten so zum Reiten und was weiß ich. Und dort hatten dann die Bürger Gartenbau betrieben, also Gemüse angebaut für sich selbst erst mal. Dann konnten sie damit Handel betreiben. Sind dann bis zum Harz gefahren. Und das war dann der nächste Schritt dann auch für die Industrialisierung von Wolfenbüttel - der Aufbau von Konservenfabriken.

00:43:13 Stefan
Ah.

00:43:14 Stadtführer
Da ging es dann Richtung Industrie, Arbeitsplätze. Das war dann auch wieder für Wolfenbüttel so eine Blütezeit und aus der Zeit daraus - man sagt immer noch Wolfenbüttel früher Stadt der Gärten und Schulen. Also wir hatten sehr viele Gärten gehabt und sehr viele Schulen. Schulen eigentlich immer noch. Gärten damals etwa 170 Gärtner, Gartenbaubetriebe gab es, aber da gibt es auch nur noch ganz wenige. Und wer jetzt noch so in den letzten Jahrzehnten hier ein interessantes Gartenbaugebiet hatte und das verkaufen konnte als Bauland, der war natürlich gemacht, ne?

00:43:43 Stefan
Ja.

00:43:43 Stadtführer
Der brauchte nicht mehr zu arbeiten.

00:43:46 Aurelius
Eigentlich - was ist das eigentlich da? Oder diese Dinger und da?

00:43:52 Stadtführer
Das jetzt hier so?

00:43:53 Aurelius
Ja.

00:43:53 Stadtführer
Also das könnte ich jetzt auch nicht so sagen. Ja, also die klassische Mauer ist halt - vielleicht waren das so UNVERSTÄNDLICH - ich weiß es nicht. Das kann ich jetzt gar nicht sagen. Das kann ich so nicht -

00:44:04 Juna
Vielleicht UNVERSTÄNDLICH.

00:44:06 Stefan
Also wahrscheinlich auch irgendwie so vielleicht ein Zaun oder sowas. So eine kleine Mauer.

00:44:10 Stadtführer
Kann vielleicht sogar sein.

00:44:12 Stefan
Manchmal gibt es ja so mehrere Mauern hintereinander.

00:44:13 Stadtführer
Hintereinander, ne?

00:44:15 Juna
Ja, weil da ist ja noch ein bisschen Land, wo wahrscheinlich dann die Tiere drauf waren und die Tiere -

00:44:22 Stadtführer
Also draußen hatten sie auch - die Felder waren ja alle draußen, das heißt, sie mussten dann - die Bürger und auch die Menschen - die Stadt verlassen, um ihre Felder zu bewirtschaften und und und. Aber das müsste ich einfach - kann ich nicht sagen, nein. Müsste ich mich einfach mal erkundigen.

00:44:34 Aurelius
Mussten die dann über diese Stadtmauer gehen?

00:44:37 Stadtführer
Es gab auch Tor hier, ne? Da zum Beispiel siehst du mal, da ist so ein Tor hier, ne? Erst mal, das war der Urbereich von Wolfenbüttel und dann wurde Wolfenbüttel immer größer. Wolfenbüttel passte gar nicht mehr hier rein, hat sich erweitert und dann kam erst mal dieser große Bereich hier dazu. Das war die Heinrichstadt. Die hat der Herzog, Herzog Julius, gegründet und nach seinem Vater benannt. Vater Heinrich war das. Das war dann dieser Bereich hier für die Leute, die viel Geld hatten. Die Kaufleute, die Fabrikanten, die Minister, die alle dann hier entsprechend im Zeughaus gearbeitet hatten. Da sieht man auch die großen Kirchen dazu. Und dann gab es einen Bereich für die Leute, die nicht so viel Geld hatten, und das war auf der anderen Seite, in der Weststadt. Die Stadt hieß dann Auguststadt. Heißt immer noch Auguststadt. Nach dem Herzog August benannt. Da waren die Häuser alle ein bisschen kleiner, bisschen krummer, bisschen schiefer. Auch die Kirche eine kleine Kirche, die man da so sieht, ne? Im Gegensatz zu dieser großen Kirche. Das kann man ganz gut vergleichen, glaube ich, ne? Also hatte jeder Bereich so seine eigenen Menschen, die da gelebt hatten. Also hier das war so für die Reichen und das war für die Armen. Und das war damals so der Hauptsitz des Herzogs.

00:45:38 Juna
Und -

00:45:39 Stadtführer
Ja.

00:45:40 Juna
Das sind, glaube ich, Handschellen.

00:45:43 Stadtführer
Ja, genau. Das sind so Sachen, die Handschellen und alles hier.

00:45:46 Juna
Das da oben, das mit dem Runden, ist, glaube ich, für das Torschloss und dahinten, glaube ich, auch.

00:45:53 Stadtführer
Richtig.

00:45:55 Juna
Das dicke Schloss.

00:45:56 Stadtführer
So, das ist mal so ein Blick so auf das Wolfenbüttel. So, und jetzt zum Thema Eroberung von Wolfenbüttel. Also Wolfenbüttel war wirklich eine sehr massive Festungsstadt. Eine der massivsten Festungsstädte in Deutschland. War konventionell mit Waffen kaum einnehmbar, selbst wenn man jetzt Kanonen hatte, die sehr stark waren. Man kam durch diese sumpfige Lage mit den Kanonen gar nicht so richtig an die Stadt auch ran. Trotzdem, im Dreißigjährigen Krieg ist die Stadt zweimal geknackt worden. Was hat man gemacht? Dort hinten ist ja der Harz im Süden und die Oker fließt so Richtung Norden durch Wolfenbüttel oder um Wolfenbüttel herum Richtung Braunschweig. Und etwa so 3km außerhalb der Wolfenbütteler Mauern, also außerhalb der Reichweite der Wolfenbütteler Kanonen, hat man einen riesigen Damm aufgeschüttet, den sogenannten Schwedendamm. Der Name kommt daher, weil auch schwedische Soldaten mit beteiligt waren an dieser ganzen Aktion und mittels dieses Dammes hat man die Oker aufgestaut. Immer höher, immer höher. Und dann stand die in Wolfenbüttel etwa so 2,5m über Normal, die Oker. Das heißt, die Häuser sind damals zusammengebrochen - Lehm mit dem Facherholz. Krankheiten, Hygiene-Dinge waren katastrophal. Also die Stadt ist richtig abgesoffen und dann mussten sich nach drei bis vier Monaten jeweils die Menschen ergeben, die Tore öffnen und dann konnten die fremden Soldaten in Wolfenbüttel einmarschieren. Und das ist zweimal - 1627 und 1641 - passiert. Über den Weg also geknackt.

00:47:15 Stefan
Das ist ja eine interessante Taktik.

00:47:16 Stadtführer
Ja. Ja, ja, gibt noch ein sehr schönes Bild, wo man so aus der braunschweiger Sicht - da gibt es so ein Gemälde. Weiß nicht, ob man das hier zufällig sehen kann. Nein. Wo man das so sehen kann, wie das alles so unterwasser dann so ist. Ja, die riesen Wasserlachen dann. Hier kann man Wolfenbüttel mal auf alten Bildern sehen auch hier. Die Stadtmauern kann man da auch ganz gut erkennen. Und draußen aber, außerhalb der Stadt, wie auch gearbeitet wurde, die Felder bewirtschaftet worden sind.

00:47:39 Aurelius
Wieso eigentlich - da ab und zu sind hier irgendwie so kleine Häuser außerhalb.

00:47:49 Stadtführer
Das hier, ja. Das ist was ganz Besonderes hier.

00:47:52 Aurelius
Und da hinten.

00:47:54 Stadtführer
Da hinten auch.

00:47:54 Juna
UNVERSTÄNDLICH ihr eigenes Feld dann hatten, dann -

00:47:58 Stadtführer
Also es kann sein, dass sie -

00:48:00 Juna
Sind die vielleicht umgezogen.

00:48:01 Stadtführer
Vielleicht so kleine Buden teilweise auch hatten so, wie man das so in Bayern kennt, wo dann so Sachen untergestellt worden sind. Zu dem Haus, das kann ich ganz genau sagen, was da war. Da hat ein wichtiger Mensch gewohnt - ich weiß nicht - aber mit dem wollte keiner was zu tun haben. Und zwar der Scharfrichter, der Henker, der also dafür gesorgt hat - es gab ja früher noch so Leute, die wurden hingerichtet mit so einem Beil oder so. Und dieser Scharfrichter, mit dem wollte keiner was zu tun haben. Der musste also außerhalb der Stadt wohnen und das war das Haus des Scharfrichters. Also das war kein so schönes Kapitel.

00:48:39 Aurelius
Also und das da hinten da?

00:48:43 Stadtführer
Das weiß ich jetzt auch nicht.

00:48:45 Aurelius
Und die Mühle ist -

00:48:47 Stadtführer
Die Mühle - das kann man schön sehen. Auf so einem kleinen Hügel auch. Das war eine Windmühle, die entsprechend - damals wurde ja viel gemahlen. Gab viele Wassermühlen. Durch das Wasser natürlich ideal und man hat das Korn damals ja noch anders gemahlen als heute. Damals mit Wasserkraft, mit Windkraft, ne? Und deswegen gab es viele Mühlen. Das war was ganz Wichtiges damals. Der Name Müller kommt ja auch daher, ne? Den kennt ihr ja bestimmt auch.

00:49:11 Aurelius
Gab es da viele Mühlen oder nur eine?

00:49:13 Stadtführer
Also Windmühlen kenne ich jetzt wirklich auch nur vom Modell die eine, aber in der Stadt gab es - da wüsste ich auch einige zu nennen - auch diverse Wassermühlen halt, wo das Wasser - an einer kommen wir auch vorbei. Da hört man auch noch das Rauschen. Da kann man sich gut vorstellen, dass da auch das Mühlrad dann war. Das zeige ich euch dann. So, dann würde ich sagen, jetzt gehen wir einfach mal eine kleine Runde hier drehen, ne?

00:49:29 Stefan
Ja, ja.

00:49:31 Aurelius
Kann ich noch eine Frage? Weil eigentlich haben die Feinde dann da so einen Graben aufgeschüttet und dann ist das Wasser übergeflossen?

00:49:43 Stefan
Nein, die haben hier einen Damm gebaut. Also die haben einfach hier in das Wasser rein Sachen reingeschmissen und dann hat sich das Wasser aufgestaut und ist höher geworden und dann ist das natürlich in der Stadt auch höher. Und 2m - stellt dir mal vor: Ich bin nicht mal 2m hoch. Ich bin 1,90m hoch. Das heißt, das Wasser stand hier über meinem Kopf und dann haben die Leute aufgegeben.

00:50:07 Stadtführer
Ja, das ist klar, ne? Damit sie überhaupt überleben konnten.

00:50:11 Stefan
Die haben dann einfach das Tor aufgemacht, haben gesagt: Dann kommt rein.

00:50:13 Stadtführer
Ja, genau.

00:50:14 Stefan
Und dann haben die den Damm wieder abgegraben und dann ist das Wasser wieder abgeflossen.

00:50:18 Stadtführer
Genau. Ja, hier gibt es schöne Hinterhöfe teilweise. So, aber eins möchte ich euch da vorne noch mal zeigen. Ein Haus. Und zwar das Häuschen hier. Habt ihr das schon mal gesehen hier?

00:50:29 Stefan
Ach, das ist schmalste Haus. Ist das -

00:50:32 Stadtführer
Das ist das schmalste Haus von Wolfenbüttel.

00:50:33 Stefan
Ist das jetzt nicht eine Ferienwohnung oder sowas?

00:50:35 Stadtführer
Da ist eine Ferienwohnung drinnen, genau. Seit Frühjahr des Jahres. Eine junge Dame hat das gekauft und das ist das Schöne. Das war so sieben, acht Jahre leer und sie hat das gekauft und dann wieder so ein bisschen aufgemöbelt. Das war vorher schon relativ gut, aber es war trotzdem leer. Und da kann man jetzt über vier Etagen wohnen dann da. Ja, ganz urig. Wir haben uns das mal so vor acht Wochen mal ankucken können und das ist vorne sehr schmal. 2,10m.

00:50:58 Stefan
Ja.

00:50:59 Stadtführer
Aber 12m lang. Es geht nach hinten richtig durch.

00:51:01 Stefan
Ok.

00:51:02 Stadtführer
Und geht hinten so auf 3,40m auseinander.

00:51:04 Stefan
Ah, ok.

00:51:05 Stadtführer
Ganz hinten ist auch die Küche. Man kann auch so ein kleines Sofa querstellen. Könnte man. Kleiner, gemütlicher Garten. Also nicht zu viel Arbeit, die man hätte. Kann trotzdem nachmittags draußen schön sitzen und Käffchen trinken, vom Westen die Sonne sich reinscheinen lassen. Aber man lebt über vier Etagen halt, ne?

00:51:21 Aurelius
Ist das eine Ferienwohnung oder mehrere?

00:51:24 Stadtführer
Eine. Ist eine. Aber mit mehreren Schlafzimmern auch. Also könnten Sie auch mal - eine Familie mit zwei Kindern könnten da auch schön Ferien machen und so weiter, ne? Ja, ganz urig eigentlich hier. Genau.

00:51:35 Stefan
Das war es für heute. Vielen Dank für das Zuhören. Ich hoffe, es hat Ihnen genauso viel Spaß gemacht wie uns. An dieser Stelle noch ein herzliches Danke an die Stadt Wolfenbüttel, die uns eingeladen haben und die die beiden super Führungen organisiert und bezahlt haben und die Unterkunft. Wie hat es euch gefallen?

00:51:53 Aurelius
Mir hat es auch sehr gut gefallen. Hat eigentlich alles gut gefallen. Ja.

00:52:01 Juna
Also mir hat es auch alles gut gefallen und es war sehr, sehr, sehr schön.

00:52:06 Stefan
Ja, Wolfenbüttel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. So, dann bis zum nächsten mal. Ach ja, wir würden uns über eine Bewertung des Podcasts natürlich freuen und wie immer gibt es zusätzliche Links auf der Homepage www.reisepassnummer.de. Bis zum nächsten mal. Tschüß.

00:52:21 Aurelius
Tschüß.

00:52:22 Juna
Tschüß.

00:52:23 Aurelius
Tschüß.