Reisen zum Hören - Um die Welt mit Stefan Wintermeyer
26. November 2018

New Providence (Bahamas)

Foto aus der Altstadt

Im Herbst 2018 hat uns Ulrich Voges ein wenig von der Insel New Providence auf den Bahamas gezeigt. Uli kennt die Bahamas seit 20 Jahren und wohnt seit fast 10 Jahren auf New Providence.

Bald kommt eine weitere Folge, in der es dann nur um die Hotelanlage Atlantis auf einer vorgelagerten Insel geht.

Transkription

00:00:07 FlugkapitĂ€n Ladies and gentlemen, [Unv] we’ve got 40 minutes to [Unv] Nassau. It’s beautiful in Nassau at present. Easterly wind, clear skies and 30°C.

00:00:22 Stefan-Off Das war gerade die Pilotendurchsage mit den Wetterdaten, 30° im Schatten, kurz vor der Ankunft am Flughafen Nassau. Heute geht es auf die Insel New Providence in den Bahamas. Willkommen beim Reisepodcast Reisepassnummer. Mein Name ist Stefan Wintermeyer. [Musik und StempelgerĂ€usch] Das war das StempelgerĂ€usch bei der Passkontrolle am Flughafen Nassau, der Hauptstadt des Inselstaates Bahamas. Von den mehr als 700 Bahamas Inseln sind etwa 30 bewohnt. Nassau liegt sĂŒdöstlich von Miami im Atlantik. Von dort fahren ĂŒbrigens auch viele Kreuzfahrtschiffe fast tĂ€glich die Bahamas an. Die Insel New Providence ist circa 30km lang und 10km breit. Im Hintergrund spielt ĂŒbrigens eine Live Band. Es herrscht so schon bei der Einreise eine sehr angenehme UrlaubsatmosphĂ€re. Wir sind dieses mal mit der British Airways ĂŒber London geflogen. Der Flug von London dauert fast 10 Stunden. Dazu kommen noch mal fast 2 Stunden von Frankfurt nach London. Leider gibt es aktuell keinen Non-Stop-Flug von Deutschland.

00:01:38 Beamtin Enjoy your stay.

00:01:39 Stefan Thank you.

00:01:45 Stefan-Off Zu den Bahamas veröffentliche ich zwei Podcastfolgen. In dieser ersten geht es um die Insel New Providence und allgemein um das Leben auf den Bahamas. Und es geht natĂŒrlich um Piraten aus der Vergangenheit und der Gegenwart. In der nĂ€chsten Folge geht es dann nur um die Hotelanlage Atlantis mit dem riesigen Wasserpark auf der vorgelagerten Insel Paradise Island. Von dort sind wir heute gestartet und werden jetzt von unserem Guide Uli am Fuße der Sidney Poitier BrĂŒcke begrĂŒĂŸt. Unter der BrĂŒcke ist eine Hafenanlage und ein paar HĂŒtten, in denen kleine Restaurants und Kneipen sind.

00:02:18 Uli I’m Uli. Ich hatte gedacht, ihr steigt hier kurz aus.

00:02:23 Stefan Ja.

00:02:25 Uli Und wir laufen einfach ein StĂŒckchen da vor.

00:02:28 Stefan Ah ja, ok.

00:02:30 Uli Und dort holt uns die Christine wieder ab und dann -

00:02:32 Stefan Super Idee.

00:02:33 Uli Fahren wir wieder.

00:02:33 Stefan Ok, machen wir.

00:02:34 Uli Ja, weil das hat hier ganz schön Flaire.

00:02:36 Stefan Ok.

00:02:37 Uli Und da seht ihr schon ein bisschen.

00:02:38 Gunhild Ja.

00:02:39 Uli Ok.

00:02:40 Gunhild Wir steigen aus.

00:02:41 Uli Alright. So -

00:02:42 Christine Now, you can talk to me in English. [Lachen]

00:02:45 Uli So just a little -

00:02:50 Stefan-Off Das war jetzt gerade ĂŒbrigens unsere Fahrerin Christine, die wir auf New Providence immer buchen, wenn wir sowas machen. Uli erklĂ€rt ihr jetzt gerade, wo wir uns gleich wieder treffen.

00:03:00 Christine [Unv]

00:03:02 Uli I will meet you there, ok?

00:03:04 Christine Ok.

00:03:04 Uli Alright.

00:03:06 Stefan Christine hat dir gesagt, ich nehme es auf, ne?

00:03:07 Uli Ja. Kein Problem. Kein Problem.

00:03:09 Christine Yeah, I already told him.

00:03:12 Uli Ok, ist nur Audio, ja?

00:03:15 Stefan Nur Audio, ja.

00:03:15 Uli Ja, ja, alles gut. Habe mich heute aber noch mal rasiert, weil ich dachte, dass - [Lachen]

00:03:22 Stefan Da bin ich ja sehr geehrt. Ich habe mich nicht rasiert. Tschuldigung.

00:03:25 Uli Ja, ja, nein, das ist ja.

00:03:27 Stefan Ach so, das ist die Juna. Das ist meine Tochter.

00:03:29 Uli Hallo.

00:03:30 Stefan Das ist der Aurelius, mein Sohn.

00:03:31 Uli Ok. Hallo, ihr beiden.

00:03:33 Aurelius Hallo.

00:03:34 Uli Super. Also erst mal finde ich das ganz toll, wirklich, dass ihr aus dem - [Lachen]

00:03:41 Stefan Aus dem Ghetto.

00:03:41 Uli Aus dem Paradise Island Ghetto rauskommt, weil das hat natĂŒrlich mit dem Rest von den Bahamas gar nichts zu tun.

00:03:48 Gunhild Nichts zu tun, ja.

00:03:49 Stefan Ja.

00:03:49 Uli Ja, und auch das, was ich euch heute ein bisschen zeige, ist das, wenn ihr jetzt auf so eine Leisure Tour oder Bahamas Experience, wenn ihr da auf so einen Bus gehen wĂŒrdet - die bringen Leute rĂŒber nach Atlantis und zeigen denen: Das ist die Attraktion hier. Ja, und wir haben halt wirklich schon mehr zu bieten hier. Lass uns mal rĂŒber jetzt auf die Bank da gehen. So eine Tradition, so eine Esstradition in den Bahamas ist Fish Fry. Eigentlich jeden Freitag geht man irgendwo hin. Also die mögen hier auch Barbeque, aber so von Fish Fry, da bekommt man dann halt so Snapper, die so kurz in - so Fish ‘n’ Chips so eine Art. Und so der Touri-Spot ist Arawak Cay.

00:04:37 Gunhild Ok.

00:04:37 Uli Das ist also auf der anderen Seite. Das ist wirklich so St. Pauli.

00:04:41 Gunhild Ja, ja.

00:04:41 Uli Ja, also das ist so die Sache. Und das ist Potter’s Cay hier.

00:04:44 Gunhild Ok.

00:04:45 Uli Und Potter’s Cay ist wirklich sehr einheimisch noch. Ja, also das hat sich auch in den letzten 50, 60 Jahren nicht viel verĂ€ndert.

00:04:55 Gunhild Das sieht man auch, ja.

00:04:56 Uli Und gibt es auch PlÀne, das zu modernisieren, aber alles hier in den Bahamas dauert ewig lange, ja. Das fÀngt ja dann so um die Mittagszeit dann hier an. Da kann man dann hier eigentlich unsere Nationalspeise - habt ihr schon Conch Salad gehabt?

00:05:22 Gunhild Nein.

00:05:23 Uli Ok, ich zeige euch mal da hinten, wie so eine Conch aussieht. Eine Conch ist eine große Muschel.

00:05:30 Gundhild Ja.

00:05:30 Uli Und da wird sozusagen das Fleisch rausgenommen. Ist im Prinzip wie Oktopus. Ganz frisch. Jeder Salat wird ganz frisch gemacht und ich kann das echt empfehlen. Das schmeckt wirklich lecker. Ihr könnt euch ja erst mal einen teilen. Und dazu trinkt ihr dann so ein Kalik. Seht ihr das da?

00:05:48 Gunhild Ja, ja.

05:05:48 Uli Das ist das Bier hier.

00:05:49 Gunhild Ok.

00:05:50 Uli Und das heißt Kalik, weil wir haben hier ja an Fasching - das heißt Junkanoo bei uns und das ist also immer um die Weihnachtszeit - Weihnachten und Neujahr - und da werden Kuhglocken - Kuhglocken spielen eine ganz wichtige Rolle da. ErzĂ€hle ich euch spĂ€ter noch was drĂŒber. Und das ist eben dieses GerĂ€usch. Dieses Kalik, Kalik, Kalik.

00:06:10 Gunhild Ok.

00:06:11 Uli Und deshalb heißt unser Bier hier so. Das ist schon ganz nett auch eben abends hier.

00:06:17 Stefan Ja.

00:06:18 Uli Das Tourismus Ministerium wĂŒrde euch jetzt sagen: “Geht lieber da rĂŒber”, die haben wirklich manchmal mehr Schiss vor ihren eigenen Leuten. Wir gehen hier immer hin. Die sind super nett hier und freuen sich. Ja. Ich zeige euch jetzt noch mal so ein paar Conchs. How are you doing? Alright, alright. Kommt mal her. Kuckt mal. Da ist es noch drinnen. Siehst du es? Die leben alle noch. Die werden - kuck mal da. Hier. Seht ihr die -

00:07:04 Stefan Ah, die Rochen. TatsÀchlich.

00:07:04 Uli Die Rochen.

00:07:06 Gunhild Ah ja.

00:07:06 Uli Meistens kommen die immer in einer kleinen Familie. Gibt immer Papa, Mama und noch ein Kind. Und weil hier halt eben wird das ganze Conch-Fleisch rausgeholt. Ja, da kommen die immer vorbei und wissen, dass sie hier gefĂŒttert werden.

00:07:26 Stefan-Off Das Setup muss ich mal gerade erklÀren, weil man sich das als Deutscher gar nicht vorstellen kann. Wir stehen also da an dieser Hafenanlage an so klapprigen StÀnden. Da werden diese Conchs auseinandergenommen und verarbeitet und die Reste werden halt direkt ins Meer geschmissen. Das ist kristallklares Wasser und da schwimmen dann riesige Rochen rum. Das ist total wahnsinn. Das sieht aus wie in einem gigantischen Aquarium.

00:07:53 Uli Ok, ja, also das mĂŒsst ihr mir versprechen, dass ihr einen Conch Salat mal -

00:07:58 Stefan Ja, werden wir machen.

00:07:59 Uli Und auch schaut, wie der zubereitet wird, ja?

00:08:01 Stefan Ok.

00:08:04 Uli Ja, und wie gesagt, dieser Produce Exchange hier. Da theoretisch sollen da von all unseren Nachbarinseln - wir nennen die die “Family Islands” - sollen eigentlich hier AgrargĂŒter herkommen. Und wir haben es eben seit unserer UnabhĂ€ngigkeit 1973 nicht geschafft, uns hier zu ernĂ€hren. Wir haben also eine Import-Bill nur von unseren Nahrungsmitteln von ĂŒber 1 Milliarde Dollar pro Jahr.

00:08:36 Stefan Wow.

00:08:39 Stefan-Off Uli spricht hier ein typisches Problem der Bahamas an. Als Tourist bekommt man das meiste davon ja gar nicht mit. Viele Besucher kommen mit Kreuzfahrtschiffen und bleiben nur ein paar Stunden auf der Insel und besuchen einen touristisch sehr erschlossenen Bereich. Die anderen Touristen bleiben wĂ€hrend ihres Aufenthaltes hauptsĂ€chlich im oder direkt am Hotel und ich schließe mich das selber nicht aus. Auf den Bahamas gibt es aber großen Reichtum. Das liegt am Steuersystem. So gibt es zum Beispiel keine Einkommenssteuer, aber auf der anderen Seite gibt es auch viel Armut. Und das alles auf dieser 30km mal 10km großen Insel. Da leben in einem Mikrokosmos völlig verschiedene Welten zusammen.

00:09:18 Uli Der Grund, weshalb ich euch das hier jetzt noch mal zeigen will, ist, weil es eine ganz schöne visuelle Darstellung dessen ist, dass wir hier ja eine Inselnation sind.

00:09:28 Stefan Ja.

00:09:30 Uli Es wird ja immer gesagt, es gibt 700 Inseln und kleine Cays. Davon sind 15 bis 20 relevant und ĂŒberhaupt gewohnt. Und was ihr jetzt hier seht - also auch diese SeelenverkĂ€ufer hier. [Lachen]

00:09:45 Stefan Ja.

00:09:46 Uli Das sind einmal die Fischerboote hier, die rausgehen. Wir haben ja eine ganz große Crawfish-, also unser Lobster-, Hummerindustrie.

00:09:55 Stefan Ja.

00:09:55 Uli Viele von den Lobstern, die ihr in Europa esst, kommen von hier.

00:10:00 Stefan Echt?

00:10:00 Uli Das ist eigentlich eines unserer grĂ¶ĂŸten Exportprodukte ĂŒberhaupt. Und dann die anderen Schiffe, das sind alles FĂ€hren zu diesen Family Islands. Also von hier kommt ihr dann nach Long Island, von hier kommt ihr nach Eleuthera, von hier kommt ihr zu den Exumas. Aber jetzt mĂŒsst ihr euch vorstellen: Also unsere nĂ€chste Insel hier - Eleuthera - mit einem Boot fahrt ihr da drei Stunden. Die nĂ€chste Insel, die sĂŒdliche Insel, dann Cat Island, fahrt ihr mit einem Boot schon 14 Stunden.

00:10:39 Stefan Wow.

00:10:40 Uli Wenn ihr nach Inagua zum Beispiel oder Crooked Island runterfahrt, seid ihr gut und gerne zwei Tage unterwegs. Also ihr könnt euch vorstellen, was das fĂŒr eine logistische Herausforderung hier ist, auch die Sachen dort hinzubringen. Also ihr seid ja nun hier in der Hurricane Season.

00:10:58 Stefan Ja.

00:10:59 Uli Dieses Jahr sieht es gut aus, aber die ganzen letzten Jahre hatten wir ja - also letztes Jahr war ja ganz schlimm. Da hatten wir ja drei hintereinander und das Jahr davor hatten wir Matthew hier.

00:11:11 Gunhild Genau, da waren wir auch -

00:11:13 Stefan Da waren wir sogar hier.

00:11:13 Uli Wart ihr auch hier?

00:11:14 Stefan Ja, ein Tag nach Matthew waren wir hier. Da war alles - es sah ĂŒbel aus.

00:11:18 Uli Ach komm, Mensch.

00:11:19 Stefan An den Tankstellen war totales Chaos. Das war -

00:11:23 Uli Was mich natĂŒrlich wieder mich zu einem anderen meiner Sachen bringt, die mich hier aufregen, dass wir hier nach wie vor so wenig Solarenergie haben. Als wir hier hinkamen, habe ich gesagt: “Wo sind denn mal hier die ganzen Solar Panels?”, und wir sind nach wie vor hier halt so abhĂ€ngig von so vielen Sachen. Eben auch wie ich sagte eben: Wir haben hier keine Food Security. Also wir arbeiten dadran. Eleuthera war mal der Bread Basket der Bahamas. Da gab es Farmen mit Viehwirtschaft. Ja, da wurden alle möglichen Agrarprodukte angebaut und das hörte im Prinzip alles mit der UnabhĂ€ngigkeit auf, weil da wurde das große Versprechen gegeben: “Wir verdienen jetzt nur noch Geld mit Banking und mit dem Tourismus und ihr mĂŒsst eigentlich alle nicht mehr arbeiten”, und von einem Tag auf den anderen wurden dort tatsĂ€chlich die Felder verlassen und dann gibt es natĂŒrlich die ganze Geschichte dazu, dass dann eben so Arbeit auf dem Feld, das ist natĂŒrlich dann Ausbeutung und Kolonialismus, sodass man dann gesagt hat: “Ok, wir haben jetzt alle nur noch white-collar jobs hier”.

00:12:41 Stefan Noch eine Frage.

00:12:41 Uli Ja.

00:12:41 Stefan Du hast eben den Begriff “Family Island” genannt.

00:12:43 Uli Ja.

00:12:44 Stefan Was heißt das?

00:12:45 Uli Die Family Islands sind im Prinzip alle Inseln außer New Providence.

00:12:50 Stefan Ah, ok.

00:12:50 Uli Weil ihr seid ja im Prinzip - also Paradise Island und Nassau liegt ja auf der Insel New Providence. Und Nassau streng genommen, ist wirklich Nassau Downtown. Also selbst wo wir jetzt noch hinfahren - wir fahren jetzt in den Osten mal.

00:13:02 Stefan Ja.

00:13:03 Uli Das wĂŒrden wir schon nicht mehr Nassau nennen. Da gibt es dann schon wieder Subdivisions und Ends oder Fox Hill oder im Westen gibt es Adelaide, Lyford Cay, dann diese Gated Communities. Ja, und von daher streng genommen, wie gesagt, ist nur New Providence das eine und alles andere sind die Family Islands. Aber hier kann man wirklich richtig gut Fisch kaufen auch. Er hier vor allem - Fresh Fish - die haben hier immer gute Angebote und in der Regel wird man hier auch nicht ĂŒber den Tisch gezogen, was ja immer gerne passiert. Aber, wie gesagt, Potter’s Cay, das hat nach wie vor was sehr authentisches hier. Und wir fahren jetzt - change of scenery.

00:14:02 Stefan-Off Als nÀchstes fahren wir nach Fort Montagu. Das ist so eine kleine Festungsanlage direkt am Meer.

00:14:07 Uli Ich werde euch jetzt nicht mit Geschichte langweilen, aber ein bisschen was Interessantes ist hier schon passiert. Also ihr habt ja schon was von Christopher Columbus gehört, ne? Von Kolumbus.

00:14:22 Aurelius Ja.

00:14:23 Uli Und Kolumbus hat ja Amerika entdeckt. Ist eine lĂ€ngere Geschichte, aber bleiben wir mal dabei. Und die erste Insel, die er in den Amerikas, wo er sein Fuß an Land gesetzt hat, war San Salvador, eine Insel der Bahamas im SĂŒden. So, wenn ihr da schwimmen wĂŒrdet, kommt ihr irgendwann nach Cat Island und dann sĂŒdlich von Cat Island ist dann San Salvador. Und dort landete Kolumbus und gestern war ja der alte Christopher Kolumbus Tag, der jetzt hier Heroes’ Day heißt oder Indigenous Peoples’ Day, weil als Kolumbus dann hierherkam, fand er Indianer vor. Also wie wir sie also damals nannten. Und die hießen Lucayans und Taino. Das waren die StĂ€mme, die hier lebten. Und die zusammen gehörten zu einer Kultur, die heißen Arawaks. So Arawak ist die große Bezeichnung der ganzen Gruppe und dadrunter gibt es die Lucayans, die Tainos und die Caribs. Die Caribs waren Kannibalen und die Lucayans und die Tainos waren ganz friedliche Völker. Nachdem Columbus hierherkam, sind die ziemlich schnell alle ausgestorben oder nach SĂŒdamerika oder sie bekamen Sklaven und dann war hier erstmal nichts. Wirklich, ihr mĂŒsst euch vorstellen: Das war 1492 und dann bis Ende des 16. Jahrhunderts - also 1590 - war hier gar nichts. Und dann kamen Piraten und diese ganze Karibik hier war eigentlich voll mit Piraten und hier in den Bahamas gab es zwei ganz berĂŒhmte Piraten. Habt ihr schon mal was von Blackbeard gehört?

00:16:11 Aurelius Ja.

00:16:12 Uli Blackbeard und dann noch besser: Eine ganz berĂŒhmte Piratin.

00:16:21 Gunhild Papa, jetzt sag mal bitte.

00:16:22 Stefan Juna wahrscheinlich. Nein?

00:16:24 Uli Ja? Die hieß Bonny und die haben hier so ihr Unwesen getrieben und dann wurde erst so im 18. Jahrhundert, ich glaube, 1717 wurde das hier Kronkolonie. Und da gab es dann den ersten Gouverneur hier: Woodes Rogers. Also das Pier, wo die ganzen Kreuzfahrtschiffe anlegen, das heißt heute noch Woodes Rogers Pier. Der kam hierher und hat dann erst mal mit den Piraten aufgerĂ€umt, aber ich sage euch: Viel hat sich seitdem hier nicht geĂ€ndert. [Lachen] Also wir haben hier nach wie vor - die besten GeschĂ€ften haben die Bahamas gemacht in dieser Piratenzeit, wĂ€hrend der Prohibition. Also die ganzen Familien, die hier heute Asche haben ohne Ende, haben ihr Geld damals mit Alkoholschmuggel gemacht. Das nannte sich “Rum Runners” und danach in den 70er und 80er Jahren der ganze Drogenhandel. Ja, also aus SĂŒdamerika war das hier ein Umschlagplatz. Gerade unten Inagua. Dta ist nichts. Wir haben hier 800.000 Square Miles von Wasser. Das kann keiner kontrollieren. Und ich habe hier jemanden, der verkauft hier eigentlich Stone Crabs, und ich frage mich immer: “Mensch, so viel Geld kannst du doch nicht mit Krabben machen”, und was der hat: Der hat diese großen Boote und der geht raus und Stone Crabs, die sind ja in solchen KĂ€figen drinnen, und denen wird ja nur eine von ihren -

00:18:17 Gunhild Scheren.

00:18:19 Stefan Scheren.

00:18:19 Uli Scheren abgebrochen und danach werden die ja wieder in den KĂ€fig gelassen und die andere wĂ€chst dann nach. Und der geht mit seinen Booten da raus und der hat einen Extratank und dann kommen diese Zigarettenboote mit den Drogen aus sonstwo und die verbrauchen ja wahnsinnig viel Sprit und der ist im Prinzip eine schwimmende Tankstelle fĂŒr die. Das heißt, eigentlich macht er nichts falsch. [Lachen] Verkauft halt ein bisschen.

00:18:51 Gunhild Ja, ja, genau.

00:18:51 Uli Aber natĂŒrlich, wenn du dir bedenkst: Hier kostet eine Gallone Sprit fast 6$ und auf den Family Islands kostet eine Gallone zwischen 7,5$ und 8$. Dann verkauft der wahrscheinlich die Gallone Sprit dort locker fĂŒr 20$ und macht natĂŒrlich einen schönen [Unv]. So, das hier wurde von einem Henry Peter Bruce gebaut und interessanterweise kam der aus Brandenburg.

00:19:24 Stefan Ah.

00:19:26 Uli Das war -

00:19:27 Gunhild Klingt auch so, gell?

00:19:27 Uli Ja, ja [Lachen]. Der Großvater von ihm, der ist unter Cromwell aus England nach Brandenburg und so ins Exil sozusagen, und da ist dieser Peter Henry Bruce geboren. Seine Muttersprache ist Deutsch. Der hat so Memoiren geschrieben auf Deutsch und der ist dann in den Dienst vom Zar von Russland und nach Preußen und ist durch die ganze Welt und hat solche Fortifications gebaut. Und das hier wurde 1740 gebaut und gehörte zu so einer Serie von Forts, die wir haben. Wir haben fĂŒnf und die sollten hier die Spanier eigentlich weghalten, aber das hat nie geklappt. An dieser Stelle kam auch die erste amerikanische Invasion der Bahamas, nĂ€mlich 1776 kam hier eine Fregatte der Amerikaner. Die wussten nĂ€mlich, dass die EnglĂ€nder hier Gunpowder, also -

00:20:33 Stefan Schwarzpulver.

00:20:34 Uli Ja, Schwarzpulver deponiert hatten. Und zwar war das hier im Fort Montagu und da kam diese Fregatte hierher [Lachen] und die Besatzung von Fort Montagu hat dann gedacht: “Ok, das sieht aus, als wĂ€ren die stĂ€rker” [Lachen], dann sind die nach Hause gegangen, [Lachen] die Amerikaner haben das Schwarzpulver genommen, sind wieder abgedĂŒst und das war die amerikanische Invasion. Aber ich sage euch: Auch daran hat sich hier nicht so viel verĂ€ndert. So dieses: “Kommst du heute nicht, kommst du morgen”. Als ich hierhergezogen bin, musste ich irgendwie einen Monat spĂ€ter nach Deutschland zurĂŒck und dann bin ich hier zum Schalter von der Bahamasair und irgendwie hat das alles wieder ewig gedauert. Und ich war noch so in meiner europĂ€ischen - und dann sagt diese Frau am Schalter - kuckte mich dann so an, legt so ihre Hand auf meinen Arm und sagt: “Honey, you got to relax” [Lachen]. Und jetzt mĂŒsst ihr euch mal vorstellen: Ihr geht zu Lufthansa und da wĂŒrde so eine sagen: “SchĂ€tzchen, entspann dich mal”. [Lachen] Da wĂ€re aber was los.

00:21:48 Gunhild Ja, ich glaube auch, ja.

00:21:48 Uli Und hier ist es so in meinem Kopf hĂ€ngengeblieben und ich habe mir immer gesagt: “So, jetzt, SchĂ€tzchen, entspann dich mal”, und auch dieses ĂŒbrigens “Honey” und “Sweety” und “Baby”. Auch als ich hierherkam: Ein Freund von Amanda, eben hier ein alter Bahamianer, der sagte dann auch zu seiner Bedienung hier: “Sweety, komm mal rĂŒber”, da dachte ich so: “Das kannst du doch nicht mehr sagen”, und so. Ich bin Sweety, ich bin Honey, ja. Wenn so eine große Bahama Mama kommt und sagt “Sweetheart”, dann fĂŒhlst du dich irgendwie sogar schon fast gut dabei.

00:22:33 Christine [Musik] All having fun?

00:22:35 Uli No, they’re totally bored. They are making faces.

00:22:39 Christine Is Ulrich making you happy?

00:22:42 Uli They are checking their watches all the time and, you know.

00:22:46 Christine Like, when is this finishing?

00:22:47 Uli When is it over? What an ordeal. [Lachen] Never come back.

00:22:53 Christine Ulrich.

00:22:54 Uli That kind of stuff. So we are going now up the Village Road.

00:22:57 Christine Doongalik?

00:22:58 Uli To Doongalik, yes. Thank you. Ja, also wie gesagt, hier gibt es ĂŒbrigens auch eine kleine Kirche. Das ist eine Parkbank hier und jeden Morgen sitzt der da und das ist so eine Open Air Kirche. Was schĂ€tzt denn ihr, wie viele Kirchen wir hier haben? Nur auf New Providence?

00:22:19 Stefan Keine Ahnung. Nachdem du es jetzt schon gesagt hast, also nachdem du gesagt hast, dass es so ein wichtiger Teil ist, mĂŒssen das ja hunderte sein.

00:23:26 Uli Ja, wir haben um die 5.000 Kirchen hier. Aber als Kirche gilt auch - das kann zum Beispiel ein kleines LadengeschĂ€ft sein, was dann eine - das ist wie so ein Retirement Plan, so eine Pensionierung - kannst du halt ein Pastor werden und dann machst du das im Prinzip ein-, zweimal die Woche oder einmal die Woche und deine Gemeinde zahlt dir dann halt immer schön irgendwas in den Beutel. Es gibt ja hier diese sogenannte Prosperity Gospel. Also wenn es deinem Pastor gut geht, dann geht es auch dir gut. Und ich halte das fĂŒr ein großes, großes Problem hier, weil da wird hier gerade den Armen das Geld aus der Tasche gezogen.

00:24:17 Gunhild Ja, ja.

00:24:17 Uli Und aber da lÀsst sich nichts Àndern. Jeder Event hier beginnt eben mit einem Gebet.

00:24:29 Stefan-Off Als nĂ€chstes besuchen wir die Doongalik Studios. Sehr interessant, aber aus ZeitgrĂŒnden habe ich das jetzt aus dem Podcast rausgeschnitten. Ich verlinke das aber in der Transkription. Schauen Sie mal rein. Super interessantes Museum.

00:24:44 Gunhild Aber das wĂŒrde ja kein Tourist finden, oder? Hier. Oder -

00:24:49 Uli Wenig.

00:24:50 Gunhild Ne?

00:24:50 Uli Wenig, also ich meine, Doongalik hat schon -

00:24:54 Gunhild Einen Namen.

00:24:56 Uli Hat natĂŒrlich einen Namen, aber die haben hier jetzt keine Busse, die hier anhalten. Ich war schockiert. Ich habe mal fĂŒr so eine Tour Company ĂŒbersetzen mĂŒssen und die erfinden Sachen. [Lachen]

00:25:14 Gunhild Ja, klar. Ja, ja.

00:25:15 Uli WĂ€hrend die fahren, erzĂ€hlen die da was und du kuckst die an, die sagen: “[Unv], it’s not true”, und ich finde sowas echt erschreckend. Und die meisten bringen auch Leute nicht hier in den Osten. Und hier passieren aber gute Sachen. Zum Beispiel der Bahamas National Trust ist ein bisschen weiter. Das ist wie so ein botanischer Garten. Der ist jetzt hier auch auf der Village Road und dann alles, was dann da weiter im Osten ist, wird sehr, sehr schön. Ich wohne dann da. [Lachen] Das ist echt - weil es ist eben auf so einem HĂŒgel und ich sagte eben, eine schönes Klima einfach.

00:26:09 Stefan [AutotĂŒr] So, rein mit euch.

00:26:10 Uli Ok, so, now we are going on a little drive. So, was wir jetzt machen, ist, wir fahren jetzt also Richtung Downtown und ich bringe euch jetzt mal in eine Gegend, die wir “Over-the-Hill” nennen. Das ist etwas, was eigentlich in der gesamten Tourismusindustrie komplett ignoriert wird, und 80.000 Leute unserer Bevölkerung leben Over-the-Hill. Und das sind die alten afrikanischen Settlements. Ja, also und das hat sich also bis heute - ihr werdet das an der Architektur auch sehen - ist es also sichtbar, wie unterschiedlich es ist, und da ist auch nach wie vor also eine strikte mentale Trennung. Ja, also du bist entweder auf dieser Seite vom Hill oder On-the-Hill oder you’re Over-the-Hill. Und das versuchen wir jetzt eben seit einigen Jahren zu regenerieren. Also mein kleiner Truck, den ihr da gesehen habt, da steht drauf “Onward and upwards”. Das ist so das Motto. Bei mir steht drauf “Onwards and upwards and over-the-hill”. Und ich arbeite dort mit einem ehemaligen Gangleader zusammen, der jetzt seit rund 20 Jahren sozusagen sich seinem zweiten Lebensweg zugewendet hat, nachdem sein erster Lebensweg -

00:28:08 Gunhild Nicht so geradlinig war.

00:28:09 Uli Mit vielen TrĂ€nen geendet hat. Und, ja, zusammen mit ihm sind wir dabei, Sachen dort zu entwickeln, auch Leute eben rĂŒberzubringen. FĂŒr mich ist immer eigentlich der SchlĂŒssel, Ökonomie dort zu schaffen. In dem Augenblick, in dem jemand dort einen kleinen Laden hat und kann sich selber unterhalten, muss er nicht los und irgendwo einbrechen. Und da sind wir auf einem ganz guten Weg jetzt, aber es ist langwierig, denn es gibt da auch so etwas, was noch aus so einer Tradition kommt. In der Zeit der Sklavenhaltung gab es ja eben die Sklaven, die auf dem Feld gearbeitet haben, und die Sklaven, die im Haus waren. Und die, die im Haus waren, fĂŒhlten sich hierarchisch denen auf dem Feld ĂŒberlegen und das hat sich bis heute nicht geĂ€ndert. Wer es also geschafft hat, aus dem Milieu Over-the-Hill zu kommen, kuckt auch nicht zurĂŒck. Ja, also da gibt es Familien und Straßen, die haben eben bekannte Familiennamen, und da sind große MĂŒllhalden am Straßenschild und dann sage ich: “Wenn das mein Name wĂ€re, wĂŒrde ich doch diese Straße adoptieren und das gehört doch zu meinem Familienstolz”, und hier heißt es dann eigentlich: “Nein, also wenn ich das einmal geschafft habe, dann drehe ich mich nicht um und helfe auch keinem”.

00:29:51 Stefan-Off Als nĂ€chstes fahren wir durch sehr, sehr unterschiedliche Gegenden von New Providence. Da sind sehr wohlhabende Viertel dabei, aber auch sehr arme Gegenden, wo ausgeschlachtete Autos auf der Straße stehen, eingeschlagene Fenster in den HĂ€usern, Menschen, die in WellblechhĂŒtten leben. Ein ziemlicher Kontrast.

00:30:12 Uli Und wir haben dort so einen kleinen Urban Garden angelegt. Da kommen mir immer die TrĂ€nen in die Augen, wenn wir da jetzt dran vorbeifahren, weil der komplett wieder ĂŒberwuchert ist, weil sich eben keiner drum kĂŒmmert.

00:30:25 Gunhild Ja, ja.

00:30:25 Uli Ja, wenn du ihn nicht bezahlst.

00:30:28 Stefan Ja.

00:30:29 Uli Ja, da kam der Besitzer an dem Tag, an dem wir - das sind halt MĂŒllhalden in der Regel und dann haben wir den erst mal immer wieder gereinigt und gereinigt, weil es ja auch ein Gesundheitsproblem war, und dann kam der Besitzer an dem Tag, an dem wir dann da so einen kleinen, weißen Zaun aus alten Paletten aufgestellt haben und dann wedeln die dann immer mit so einem gelben Manila-Umschlag, weil “Das ist ja mein”, und dann sage ich: “Ja, das ist ja alles schön und gut. Kannst dich bei uns bedanken, dass wir das mal wieder saubergemacht haben”, und dann sagen die: “Ja, willst du es kaufen? Willst du es kaufen?”, ich so: “Nein, ich will dein GrundstĂŒck nicht kaufen. Wir machen hier so einen Community Garden”, und dann sagst du: “Ja, wir pflanzen dann hier Tomaten und dann kannst du auch kommen und kannst hier Tomaten pflĂŒcken und das kostet nichts”, und dann kucken die dich so an und sagen: “Ich kann in den Supermarkt gehen und kann mir meine Tomaten kaufen”, und da weiß ich ĂŒberhaupt nicht, wo ich anfangen soll. Und das ist eine MentalitĂ€t hier, die ist weit verbreitet, und wie gesagt, wenn du nicht einen Job draus machst, passiert nichts. Aber es Ă€ndert sich mit der jĂŒngeren Generation. Also wir haben uns dann sehr stark auf die Kids dann konzentriert und da Ă€ndert sich langsam was. Also wir kommen jetzt dort vorne an die Nordseite vom Rawson Square. Rawson Square ist, wo unser Parlament ist. Ihr wisst ja: Alle GebĂ€ude, die hier rosafarben sind, ist Government.

00:32:00 Stefan Ja.

00:32:00 Uli Alles, was grĂŒn ist, ist Polizei. Alles, was gelb ist, sind Schulen. Und das ist die RĂŒckseite. Und dieses Oktogon, dieses GebĂ€ude dort, das war mal ein GefĂ€ngnis und ist jetzt Teil des Archivs. Und ein Gericht ist hier und da drin ist ĂŒbrigens ein ganz tolles Restaurant. CafĂ© Matisse.

00:32:27 Gunhild Ok.

00:32:27 Uli Wenn ihr mal echt schön essen wollt. Sehr, sehr nett. So, jetzt seht ihr es schon. Also wir fahren jetzt Up-the-Hill.

00:32:37 Stefan Ja.

00:32:38 Uli Und dann Over-the-Hill. Das ist East Street hier. So, und jetzt seht ihr schon ungefĂ€hr, was hier abgeht. So, ihr seht hier diese alten HĂ€user. Und das Haus hier, dieses Haus ist, wo Martin Luther King immer herkam. Hier gab es vor rund fĂŒnf Jahren eine große Zeremonie. Das Smithsonian Institut war hier, die amerikanische Botschaft war hier, hier wurden Palmen hingestellt und StĂŒhle und da wurde gesagt: “We are redesignating this part of [Unv] Street as the Martin Luther King Boulevard”, [Lachen] und das ist dann, was bei rauskommt. Und das - just a little further. Slowly. Aber trotzdem: [Unv] Street ist eine ganz wichtige Ader, weil ganz viele der Familien, die [Unv], die Banes irgendwann mal hier gewohnt haben. Das hier ist ja dort, wo unsere Gouverneurin lebt. Ja, unser Governor General. Dame Marguerite Pindling. Das ist die Frau oder die Witwe von unserem StaatsgrĂŒnder, Lynden Pindling. Und offiziell ist sie die Stellvertreterin der Queen. Also wir sind zwar unabhĂ€ngig, aber wir sind nach wie vor im Commonwealth, also wie Kanada auch oder Australien, und sie ist sozusagen die Statthalterin der Queen hier.

00:34:11 Stefan Und jetzt?

00:34:12 Uli So, und diese Straße hier - das ist Hill Street - hat sich jetzt in den letzten Jahren komplett verĂ€ndert und das machen alles die Garzarolis hier, denen das Graycliff gehört. Passt nur auf. Hier kommen die Busse. Wir gehen hier gleich rein.

00:34:33 Stefan-Off Uli fĂŒhrt uns jetzt ins Graycliff. Das ist so ein im Kolonialstil erbautes, altehrwĂŒrdiges Hotel.

00:34:44 Uli Also Graycliff ist jetzt, ich weiß nicht wie viele Jahre in der Reihe, zu einem der besten Hotels in der Karibik gewĂ€hlt worden und das ist halt so, wie ich mir immer noch vorstelle.

00:35:01 Gunhild Ja, ja.

00:35:05 Uli Weißt du, wie das mal so war. Hey, how you doing today? Alright? Ja, so damals, als du so diese Salons und als du dich noch zum Essen umgezogen hast. Ich hatte diese Gruppe da hierhergebracht und da hatten wir dann hier so eine Klavierspielerin. Also das hat nach wie vor Charme. Die RĂ€ume haben nicht den Standard, den du heute hast. Das riecht alles noch ein bisschen nach Mottenkugeln. Ich liebe solche alten Sachen.

00:35:37 Stefan Es ist Wahnsinn.

00:35:39 Gunhild Ja. Schon was anders als dieser Massentourismus.

00:35:43 Stefan Ja.

00:35:43 Uli Und das ist hier halt eben ĂŒber - ich weiß nicht wie viel - also es ist jetzt seit, ich glaube, 70 Jahren im Besitz von den Garzarolis und insgesamt ist es fĂŒr unsere VerhĂ€ltnisse, weiß nicht, 150 Jahre alt. So, und jetzt seht ihr den schönsten Pool, den ich kenne. Da willst du doch gerade so reinspringen, oder?

00:36:11 Stefan Ja, das ist wirklich sehr schön hier.

00:36:14 Uli Da willst du gerade so reinspringen. Und der Junge, also der Junior hier, der Paolo Garzaroli - also der Vater, der sitzt da oben in seinem BĂŒro, vollkommen verwinkelt, inmitten von tausenden von Flaschen. Wirklich, also die sind verstaubt. Das sieht also aus wie in so einer PiratenkajĂŒte und hier unten im Graycliff ist der grĂ¶ĂŸte Weinkeller in der westlichen HemisphĂ€re.

00:36:52 Stefan Nein.

00:36:53 Uli Unglaublich schön. Also es sind Katakomben, ganze RĂ€ume mit dem teuersten Champagner und Rotwein und Weißwein und das ist so - Enrico ist der Vater - so seine Passion. Und Paolo hat dann hier die Zigarrenfabrik gemacht und die Schokoladenfabrik.

00:37:17 Stefan-Off Wir haben dann auch richtig GlĂŒck und treffen Paolo und der zeigt uns auch die ganze Anlage und zeigt uns noch den Weinkeller und wie die Wein selber herstellen, dann machen wir noch eine Verkostung. Das habe ich alles rausgeschnitten, weil jetzt kommen quasi eine Stunde nur WeingesprĂ€che. Ich blende jetzt wieder ein, wie wir damit fertig sind, aber wer mal in der Gegend ist, sollte sich das Graycliff wirklich mal anschauen. Das ist ein ganz tolles Hotel.

00:37:49 Uli Also wir haben jetzt sozusagen den Osten gesehen. Jetzt nach dem Osten eben auch noch mit den Bahamas National Trust. Da gibt es ein paar Sachen im SĂŒden der Insel - Cowpen Road - gibt es eine Sinclair Farm und da kann man mit so Kanus durch die Farm fahren und die backen dort ihr eigenes Brot. Man kann dort auch hin, kann dort sagen: “Wir kommen jetzt, wir wollen dort Pizza essen”, die haben ihren eigenen Pizzaofen, machen aber auch den Teig dort selber. Und ihr pflĂŒckt auf der Farm, was ihr auf der Pizza dann haben wollt. Und da gibt es den Bonefish Pond da hinten. Oh, Primeval Forest. Selbst Einheimische wissen nicht, wo der ist. Der ist da ganz im Westen und das ist ein StĂŒck Land, was so aussieht - unangetastet wie als Columbus zum ersten mal hier war. Also mit der ganzen Vegetation, so ein Höhlensystem. Ja, also es ist wirklich faszinierend. Wir haben einen Underwater Sculpture Park [Unv]. Da kann man hinschnorcheln. Also vom Strand kann man es sehen. Kann man schnorcheln und da sind ganz viele Fische und eine wunderschöne Unterwasserskulptur. Also es gibt wirklich ein paar ganz tolle Orte hier, ja. Aber jetzt zeige ich euch, wo meine Frau arbeitet.

00:39:24 Gunhild Ja, [Unv].

00:39:38 Uli Das ist also der Arbeitsplatz meiner Frau.

00:39:41 Stefan Das ist schön.

00:39:42 Uli Das ist die sogenannte Villa Doyle, die National Art Gallery, und ich zeige euch gerade Fiona’s Theater, weil das ist ganz alleine ihr Verdienst. Wirklich, also das war hier noch vor auch ungefĂ€hr eineinhalb Jahren hier alles - hier war nichts. War wirklich nichts. Das, ja, das war Teil des alten afrikanischen Hospitals. Diese kleine Gasse heißt auch Hospital Lane und das war der Ort des ersten afrikanischen Krankenhauses.

00:40:22 Stefan-Off Uli zeigt uns erst die Außenanlage der National Art Gallery und geht dann mit uns in das GebĂ€ude rein und macht mit uns eine supertolle FĂŒhrung. Da blende ich jetzt einfach mal rein und gebe ein bisschen so das Feeling dieser Nation Art Gallery.

00:40:44 Uli [Musik] Das ist die Musik, die Junkanoo Musik.

00:40:48 Stefan Ja.

00:40:49 Uli Das ist dieser Rhythmus und wenn du das die ganze Nacht hörst, verfĂ€llst du fast in so eine Trance. Also das hat was unglaublich Hypnotisches. Ja, und dazu gibt es dann so eine bestimmte - weil du bewegst dich auch immer nur in so einer - und das ist Dave Smith, bahamianischer KĂŒnstler, der in LA lebt, der immer solche GegensĂ€tze in seinen Bilder hat. Also da gibt eigentlich immer so einen Teil, der so subtil gewalttĂ€tig ist, und dann seht ihr dann hier die typischen Kirchendamen mit ihren großen HĂŒten, wie sie Sonntags sich immer in Schale schmeißen. Also das ist hier ein Mode Movement. Was ziehst du am Sonntag zur Kirche an? Und da ist halt so eine Bigotterie hier uns so eine Scheinheiligkeit. Und er stellt die halt so immer gegenĂŒber.

00:42:01 Aurelius Was ist denn das?

00:42:03 Stefan Ein Kunstwerk.

00:42:05 Uli Ja, also eben ihr seid bei allem, was ihr seht - jeder hat die AutoritĂ€t, zu sagen: “Naja, ich weiß ja nicht”, [Lachen], ja, also nicht alles, was ihr seht, auch nicht in so einem Kontext, muss zwangslĂ€ufig gut sein. Es gibt nĂ€mlich auch hier - nimm eine Schallplatte. Was weiß ich. Was hörst du? Was ist deine LieblingssĂ€ngerin? Lady Gaga, Taylor Swift [Lachen], was auch immer. Ja, so, wie auch immer. Die bringt eine neue Schallplatte raus oder eine neue CD. Da sind vielleicht 12 Lieder drauf und ein Lied davon wird ein Megahit und dann wird vielleicht noch mal eine Auskopplung gemacht und das wird vielleicht ein Folgehit, aber dann gibt es gut und gerne zehn Lieder da drauf, die sind lala. Die sind ok. Das gleiche ist mit visueller Kunst. Es gibt KĂŒnstler, die haben eine Ausstellung, und gehst in diese Ausstellung und du sagst: “Diese eine Arbeit, die ist sensationell”, das heißt aber noch lange nicht, dass der Rest in der Ausstellung genauso gut ist. Und du kannst in jeder Ausstellung sagen: Was ist herausragend? Was ist so ok? Und was muss noch mal zurĂŒck an den Werktisch? Also von daher wĂ€re das jetzt auch nicht unbedingt mein Favorit hier, aber viele Sachen, die man so sieht und die einen stutzig machen, sind interessanterweise dann die Sachen, die einem in Erinnerung bleiben.

00:43:50 Stefan Ist das ein korruptes System oder ist das ein System, wie ich es aus England kenne?

00:43:57 Uli Sehr korrupt nach wie vor. Nach wie vor. Die neue, jĂŒngere Generation, jetzt die 30, 40 Jahre alt sind, habe ich den Eindruck, das wird besser, aber die alten Gaben - furchtbar. Furchtbar. Da wird gemauschelt, sich gegenseitig Sachen zugeschoben, Millionen verschwinden in komische Projekte, die dann abbrennen und keiner kĂŒmmert sich drum, und also das ist schon schwierig. Sehr, sehr schwierig. Ja, unsere ganze Energieversorgung hier - wir haben ja Power Outages hier am laufenden Band. Als ich noch mehr mit Europa zu tun hatte, haben sich die immer lustig gemacht ĂŒber mich, weil ich dann gesagt habe: “Du, ich kann gerade nichts machen. Wir haben keinen Strom”, und jetzt haben wir einen Generator. Jetzt geht es so langsam. Jetzt weil wir ein Haus gekauft haben, jetzt kriegen wir auch da Solar drauf, sonst ist das alles schon schwierig. Sehr, sehr schwierig. The price of living here. The price of living here. Ja.

00:45:29 Stefan Jetzt muss ich noch mal die Frage stellen, die ich oft an der Stelle stelle: Wenn jetzt ein deutscher Tourist hier hinkommt und der wĂŒrde sich irgendwas gerne ankucken, was macht er am besten? Also gibt es irgendwelche Touren, die du halbwegs empfehlen kannst, oder sagst du, es ist eh alles -

00:45:46 Uli Nein, also zum Beispiel der Jaime, den haben wir da gerade getroffen, als wir ins Graycliff reingegangen sind, in dem weißen. Die machen eine sehr, sehr substanzielle, gut recherchierte Walking Tour. Aber die beste Tour, die ihr hier machen könnt, ist die Tru Tru Bahamian Food Tour. Das ist super. Wirklich. Schicke mir nachher eine E-Mail und dann schicke ich euch den Kontakt.

00:46:17 Stefan Ja, mache ich. Mache ich.

00:46:21 Uli Das ist also auch eine Walking Tour. Die ist drei Stunden. Das klingt lang, aber in den drei Stunden - also alles, was ihr jetzt nicht von mir gehört habt, erfahrt ihr dort, aber ihr besucht sieben oder acht verschiedene Restaurants und bekommt wirklich die Originalversionen der Speisen. Also wenn ihr zum Beispiel in der Bahamian Kitchen seid, bekommt ihr richtig gute Conch Fritters und ein Original-Switcha. Also ein Original-Switcha ist wirklich Limette, bisschen Zucker und Wasser. Da soll nichts anderes drin sein. Und dann schmeckt ihr schon den Unterschied. Und wĂ€hrend ihr dann esst, erzĂ€hlen die euch alles. Wirklich. Also tolle Geschichten. Wenn ihr dann von einem Restaurant zum anderen lauft, sagen die dann auch was ĂŒber die und die Kirche oder die und die SehenswĂŒrdigkeit. Das ist meiner Ansicht nach die herausragende Tour hier. Tru Tru Bahamian Food Tour. Und wie gesagt, und [Unv] und Jaime, die machen - das nennt sich, glaube ich, “Island Tour”. Aber die Food Tour gibt halt noch dieses Extra. Ja, dass ihr auf einmal Conch Chowder esst. Und ĂŒberall: Ihr kommt rein, das steht schon sofort alles da. Das ist super organisiert. Die Portionen sind auch alle wirklich ĂŒberschaubar, sodass ihr dann auch am Ende, wenn ihr dann - in der Rum Cake Factory schließt das Ganze dann ab - dann freut ihr euch, wenn ihr dann noch mal so einen Rumkuchen dann gegessen habt. Also die machen das spitze.

00:48:15 Stefan Noch mal Tru Tru -

00:48:17 Uli Bahamian - ja, Tru Tru - also du sagst ja hier, das Tru Tru ist auch so ein Slang, wenn du hier also “richtig original” sagen willst und nicht nur “true”, also “echt” oder “wahr”, sondern du bist Tru Tru. Ja, das ist also [Unv]. Ihr seht jetzt also: Alles östlich vom Rawson Square hier, kuckt mal, all diese LĂ€den hier - verlassen. Also hier fĂ€ngt jetzt auf einmal so eine WĂŒste an.

00:48:47 Stefan Das heißt, die ganzen Schiffsleute, die gehen aus dem Schiff raus und dann gehen die, ich sage mal, einen Kilometer Umkreis und das war es dann.

00:48:54 Uli Ja, also die gehen noch nicht mal rauf zur Art Gallery. Also die gehen im Prinzip Bay Street rauf und runter, dann kommt auch hinzu, dass wir gemerkt haben, dass dieses sogenannte Concierges von den Kreuzfahrtlinien von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Also wenn die da hinkommen und sagen: “Wir wollen in die National Art Gallery”, schicken sie die ins Piratenmuseum. Die hören nur irgendwie Museum und das ist das, was sie kennen und so. Also wir haben da noch enorm viel AufklĂ€rungsarbeit zu tun. Und wie gesagt, und wenn ich “wir” sage, dann eben Amanda und ich. Wir sind einfach sehr engagiert. Und was ich so faszinierend finde, ist eben, dass du hier den Eindruck hast, du machst einen Unterschied.

00:49:43 Stefan So, das war es fĂŒr heute. Das war die Folge ĂŒber New Providence. Wir hatten mit Uli einen super guten FĂŒhrer. Ich bin da so glĂŒcklich drĂŒber. In der nĂ€chsten Folge geht es um das Atlantis. Das ist so ein riesiges Hotel auf Paradise Island. Das ist eine vorgelagerte Insel von New Providence. Die Informationen zu diesem Podcast und zu ĂŒberhaupt allen Podcasts finden Sie wie immer auf www.reisepassnummer.de. Da sind auch Links und Transkriptionen und so weiter. Mich erreichen Sie am besten per E-Mail stefan@wintermeyer.de oder auf twitter @wintermeyer. Ich freue mich ĂŒber Feedback. Vielen Dank, dass Sie dabei waren. Bis zum nĂ€chsten mal. TschĂŒĂŸ.

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