Reisen zum H├Âren - Um die Welt mit Stefan Wintermeyer
22. Mai 2018

Wolfenb├╝ttel

Bibliothek der Stadt Wolfenb├╝ttel

Im April 2018 waren wir beim Reiseblogger Camp in Wolfenb├╝ttel. Die Lessing-Stadt hat uns so gut gefallen, das wir im Mai noch mal hingefahren sind und diesen Podcast erstellt haben.

Transkription

00:00:00 Stefan-Off Hallo, hier ist Stefan Wintermeyer vom Reisepodcast Reisepassnummer. Heute haben wir wieder eine Familienausgabe. Meine zwei Kinder helfen mir. Stellt euch bitte mal vor.

00:00:08 Juna-Off Ich bin die Juna Wintermeyer.

00:00:10 Aurelius-Off Und ich der Aurelius Wintermeyer.

00:00:12 Stefan-Off Genau, wir sind heute und morgen in Wolfenb├╝ttel. Das ist eine kleine Stadt s├╝dlich von Braunschweig. Wir waren hier vor ein paar Wochen schon mal zu einem Reisebloggertreffen und das hat uns so gut gefallen, dass wir noch mal hergekommen sind, um einen Podcast zu machen. Als erstes gehen wir aber jetzt mal fr├╝hst├╝cken und danach geht es dann zur Bibliothek.

00:00:35 Stefan-Off Gefr├╝hst├╝ckt und ├╝bernachtet haben wir im Jugendg├Ąstehaus Wolfenb├╝ttel. Das Jugendg├Ąstehaus hat Platz f├╝r ungef├Ąhr 130 Personen, ist ungef├Ąhr auf dem Niveau von einer Jugendherberge - relativ modern. Das Geb├Ąude ist j├╝nger als 10 Jahre und alle sind sehr herzlich. Gutes Preis-Leistungs-Verh├Ąltnis.

00:00:59 Bibliotheksf├╝hrer Herr Wintermeyer.

00:00:59 Stefan Herr Burgund. Hallo.

00:01:01 Bibliotheksf├╝hrer Guten Tag. Burgund. So, Sie haben Verst├Ąrkung mitgebracht? Du bist die?

00:01:06 Juna Juna.

00:01:06 Bibliotheksf├╝hrer Die Julia.

00:01:07 Stefan Juna.

00:01:09 Bibliotheksf├╝hrer Juna.

00:01:10 Aurelius Ich bin der Aurelius. Aurelius.

00:01:14 Bibliotheksf├╝hrer Der Bruder?

00:01:14 Aurelius+Juna Ja.

00:01:16 Bibliotheksf├╝hrer Gut, prima. Ja, dann fangen wir mal an. [Treppensteigen]

00:01:28 Stefan Es ist eine aktive Bibliothek, oder?

00:01:30 Bibliotheksf├╝hrer Eine Forschungsbibliothek - kein Museum. So, bittesch├Ân.

00:01:37 Stefan Wenn man in die Bibliothek eintritt, dann ist das ein Gef├╝hl, wie als wenn man in einen ├╝berdimensionalen W├╝rfel eintreten w├╝rde. An den W├Ąnden sind die B├╝cherregale - drei Stockwerke hoch. Es ist ein sehr gro├čer Raum. Die Mitte ist leer. Es gibt da so ein paar Sitzgelegenheiten, aber da sind jetzt keine B├╝cherregale. Die Beleuchtung ist relativ dramatisch. Der Raum an sich ist eher dunkel, aber die Buchr├╝cken sind angestrahlt vom Licht und das sieht schon sehr, sehr gut aus. Am Ende des Raumes geht eine Treppe runter in andere Bereiche der Bibliothek.

00:02:27 Bibliotheksf├╝hrer So, ihr seid heute die j├╝ngsten Besucher. Dann setzen wir uns da mal an den Tisch am besten. Seid ihr denn auch schon in einer Bibliothek Kunden?

00:02:42 Aurelius Ne.

00:02:43 Juna Ja.

00:02:44 Bibliotheksf├╝hrer In der Schulbibliothek oder sowas? Gibt es das bei euch?

00:02:47 Aurelius Ne, also in der Stadtbibliothek.

00:02:50 Bibliotheksf├╝hrer In der Stadtbibliothek.

00:02:51 Aurelius Ja.

00:02:51 Stefan In Koblenz.

00:02:52 Bibliotheksf├╝hrer In Koblenz.

00:02:53 Stefan Genau.

00:02:53 Bibliotheksf├╝hrer Ja, also ihr seid flei├čige Leseratten. Stimmt das?

00:02:56 Aurelius Ja.

00:02:58 Bibliotheksf├╝hrer Ja, und hier sind nun ganz, ganz viele B├╝cher an diesem Ort. Und da kommen manchmal Leute und fragen: Haben Sie denn das alles gelesen?. Glaubt ihr, ob man das alles lesen kann?

00:03:13 Juna Nein.

00:03:14 Bibliotheksf├╝hrer Da h├Ątte man lange, lange, lange, lange zu tun daran, ne?

00:03:17 Aurelius Ja.

00:03:18 Bibliotheksf├╝hrer Ja. Ja, diese Bibliothek - die B├╝cher sind schon sehr, sehr alt - 350 Jahre, teilweise sogar noch ├Ąlter - und werden immer noch benutzt.

00:03:32 Stefan Aber ich k├Ânnte jetzt nicht einfach mir ein Buch ausleihen als Normalsterblicher.

00:03:37 Bibliotheksf├╝hrer Doch. Sie k├Ânnen auch als Privatperson mit diesen B├╝chern arbeiten, aber Sie brauchen einen Leseausweis.

00:03:47 Stefan Ah.

00:03:48 Bibliotheksf├╝hrer 5ÔéČ kostet der und damit k├Ânnen Sie dann hier auch mit diesen B├╝chern arbeiten, allerdings d├╝rfen die nicht mit nachhause genommen werden, wie Sie sich vorstellen k├Ânnen. Unter der Woche sind hier im Leseraum, im Lesesaal immer sehr viele Personen. Das sind nicht nur Wissenschaftler, die mit diesen B├╝chern arbeiten, ja.

00:04:10 Stefan Und das sind ja alles alte B├╝cher. Darf ich die ├╝berhaupt anfassen?

00:04:13 Bibliotheksf├╝hrer Ja.

00:04:13 Stefan Oder muss ich da irgendwelche -

00:04:16 Bibliotheksf├╝hrer Sie d├╝rfen mit diesen B├╝chern arbeiten, m├╝ssen nicht mal Handschuhe tragen, allerdings geht man davon aus, dass die Benutzer wissen, wie man mit alten B├╝chern umgeht. Jetzt erz├Ąhle ich euch ein bisschen was ├╝ber den Gr├╝nder der Bibliothek. Die Bibliothek ist sogar zweimal gegr├╝ndet worden. Der erste Gr├╝nder war der Herzog Julius und die B├╝cher sind dann von Wolfenb├╝ttel weggegeben worden, kamen aber dann wieder zur├╝ck. Und der zweite Gr├╝nder ist Herzog August zu Braunschweig und L├╝neburg. Er hat dann diese B├╝cher alle gesammelt. Und er ist sehr, sehr alt geworden - 87 Jahre. Als er starb, hatte er 130.000 Schriften gesammelt. Das ist eine f├╝r damalige Zeiten eine ganz, ganz gewaltige Zahl. Und diese 130.000 oder 135.000 Schriften sind eingebunden worden in 31.000 B├╝cher. Der Herzog schrieb auch selber B├╝cher, die gedruckt wurden, und er sammelte nat├╝rlich gro├če B├╝cher. Er war ein studierter Mann, hatte neun F├Ącher von Anfang bis zu Ende studiert und er sprach die alten Sprachen - also Latein nat├╝rlich und konnte auch moderne Sprachen sprechen - Franz├Âsisch. Wie das mit seinen Englischkenntnissen war, wei├č man nicht so ganz genau. Damals spielte Englisch noch keine sehr gro├če Rolle. Und der Herzog teilte seine Bibliothek ein in verschiedene Gruppen, in verschiedene Sachgruppen. Und hier im Raum sind - also 20 Sachgruppen gibt es - hier im Raum sind 4 Sachgruppen aufgestellt. 58.000 Schriften - nicht B├╝cher. 14.200 B├╝cher. Und die gr├Â├čte Sachgruppe ist die Theologica, also Theologie, von der Ecke dort bis hier ├╝ber die T├╝r hinaus. Das sind, glaube ich, 38.000 Schriften eingebunden in so und so viele B├Ąnde. Dann geht es weiter mit der Abteilung Historica, also Geschichte, von dort bis in die Ecke da dr├╝ben. Und da oben, auf der obersten Etage, die beiden ├Ąu├čeren Abteilungen sind die zwei kleinen Sachgruppen, Arithmetica - Rechenkunst - und Oeconomica - Ratgeberliteratur. Da stehen Kochb├╝cher. Kochb├╝cher in f├╝nf oder sechs verschiedenen Sprachen. Dann stehen da B├╝cher, in denen beschrieben wird, wie ein Garten angelegt sein soll, oder wie der Wald behandelt werden soll, damit er gute Ertr├Ąge bringt, und wie man Tiere in der Landwirtschaft behandeln soll. Also ganz praktische Geschichten, ja. So, und diese Bibliothek ist zum ersten mal gegr├╝ndet im 16. Jahrhundert durch Herzog Julius. Die Gr├╝ndungsurkunde stammt von 1572. Der Sohn und der Enkelsohn des ersten Gr├╝nders haben die Bibliothek weitergef├╝hrt, aber der Enkelsohn gab sie dann weg nach Helmst├Ądt an die Universit├Ąt und von 1618 bis 1643 gab es in Wolfenb├╝ttel keine Bibliothek. Die B├╝cher waren ja in Helmst├Ądt. So, der Enkelsohn des ersten Gr├╝nders ist dann mitten im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg gestorben ohne Nachkommen, 1634, und 1635 wurde dann Herzog August zu Braunschweig und L├╝neburg regierender Herzog. Da war er aber schon ein alter Mann. 56 war er da schon. F├╝r damalige Verh├Ąltnisse ein sehr hohes Alter und er hatte bis dahin schon sehr, sehr viele B├╝cher gesammelt. Jetzt kam er nach Wolfenb├╝ttel, das hei├čt, erst mal konnte er gar nicht kommen, weil Krieg war. Wolfenb├╝ttel war zerst├Ârt und die Regierung war in Braunschweig. Aber dann konnte er Frieden machen und stellte seine B├╝cher im Pferdestall auf, im Marstallgeb├Ąude. Unten die Pferde und eine Etage dar├╝ber war die R├╝stkammer. Da waren die Waffen drinnen. Die hat er rausr├Ąumen lassen und dann stellte er seine B├╝cher auf. Und Herzog August hatte gro├če Reisen gemacht. Er war in Italien, in England, in Frankreich und in den Niederlanden und hatte dort die ber├╝hmten Bibliotheken gesehen. Da gab es n├Ąmlich schon eine ganze Menge. Und hat dann wahrscheinlich Anregungen aufgenommen und die dann hier in die Tat umgesetzt. Zum Beispiel die, dass er seine Sammlung in 20 Gruppen einteilte. Da dr├╝ben liegt der Katalog auf dem B├╝cherrad. Das sind sechs B├Ąnde - 7.200 Seiten - und -

00:09:40 Stefan Schon gesehen?

00:09:41 Aurelius Ja.

00:09:41 Bibliotheksf├╝hrer Wir k├Ânnen mal hingehen. Das B├╝cherrad ist so aus der Zeit um 1625, also aus dem Drei├čigj├Ąhrigen Krieg. Das sind nicht die Originalb├Ąnde. Die Originalkatalogb├Ąnde sind gerade restauriert worden. Die waren ├╝ber 300 Jahre in Benutzung. Die sahen ziemlich ├╝bel aus. Also sehr, sehr angegriffen und die sind jetzt wieder gerichtet worden f├╝r viel Geld [Lachen] und digitalisiert worden. Die B├╝cher hatten ja damals - die neuen Drucke jedenfalls - keinen festen Einband und dann wurden die zusammengedreht und in ein Fass gesteckt und mehrere und dann wurden die, ohne dass sie besch├Ądigt wurden, ├╝ber weite Strecken transportiert. So, und dann kam so eine Wagenladung an mit F├Ąssern, dann hat der Herzog die F├Ąsser ├Âffnen lassen und hat sich diese Schriften angeschaut und dann eine Inhaltsangabe gemacht und dann Zeichen vergeben, Signaturen, damit man die dann hinterher wiederfinden kann. Und dieser Katalog wird als Datenbank bezeichnet mit vielen Kreuz- und Querverbindungen. Wie sagt man auf neudeutsch? Links. Ja, er hat diese Inhaltsangaben in verschiedenen Sprachen gemacht. Er sprach ja mehrere Sprachen. Und dann bekamen die B├╝cher eine Nummer. So, und bei der Aufstellung der Gr├Â├če nach gibt es nat├╝rlich Schwierigkeiten. Und das hat er auch gel├Âst. [Lachen] Gut.

00:11:16 Stefan Hat er das alles selber gemacht?

00:11:16 Bibliotheksf├╝hrer Ja.

00:11:17 Stefan Oder hatte der Leute daf├╝r gehabt?

00:11:20 Bibliotheksf├╝hrer Also die ersten 23 Jahre, glaube ich, hat er den Katalog selber gef├╝hrt. Insgesamt sind sechs H├Ąnde nachzuweisen und sp├Ąter, erst nach seinem Tode weitergef├╝hrt worden. Zu seinen Lebzeiten bekam er Schwierigkeiten mit seinen Augen - konnte nicht mehr richtig schauen und dann hat er halt auch jemanden beauftragt, einen Schreiber. Und schaut mal, wie sch├Ân der geschrieben hat. Als er starb, hinterlie├č er, ich glaube, ich habe es schon gesagt, 135.000 Druckwerke eingebunden in 31.000 B├╝chern. In einem mittelalterlichen Kloster - das Mittelalter war ja damals noch gar nicht weg - gab es ungef├Ąhr 20 B├╝cher und jetzt kommt da einer und der hat 31.000 B├╝cher. Da haben die Leute gesagt: Das ist ein Weltwunder. Ja, sowas gibt es doch nicht noch einmal, und f├╝r damalige Zeiten, f├╝r seine Lebenszeit war es so, dass es keine gr├Â├čere Bibliothek gab auf der ganzen Welt nicht. Er sammelte das gedruckte Wissen des 17. Jahrhunderts und auf diese Weise ist eine Bibliothek des 17. Jahrhunderts entstanden, die ├╝ber eine Quellendichte verf├╝gt, die es nirgendwo sonst gibt. Das ist auch mit ein Grund daf├╝r, dass die Herzog August Bibliothek Nationalbibliothek f├╝r das 17. Jahrhundert ist. So, und jetzt will ich euch mal ein paar alte B├╝cher zeigen. Da k├Ânnen wir mal hineinschauen. Kennt ihr Robinson? Die Geschichte von Robinson?

00:13:01 Juna Nein.

00:13:03 Stefan Noch nicht. Noch nicht.

00:13:04 Bibliotheksf├╝hrer Noch nicht.

00:13:04 Stefan Noch nicht.

00:13:05 Bibliotheksf├╝hrer Hier ist Robinson auf einem Segelschiff gefahren. Das Segelschiff ist untergegangen und dann ist er auf einer Insel gelandet und musste da ganz, ganz lange leben. So, und hier ist das Buch, das zum ersten mal die Geschichte Robinsons erz├Ąhlt. 1719 in London geschrieben und ein Jahr sp├Ąter gab es schon in Frankreich B├╝cher in franz├Âsischer Sprache. Dieser Text, diese Geschichte wurde dann ins Franz├Âsische ├╝bersetzt und kurz darauf, im gleichen Jahr, gab es auch schon Robinson Geschichten in deutscher Sprache und in Niederl├Ąndisch, in holl├Ąndischer Sprache. Und das war das Buch, das am allermeisten verkauft wurde in seiner Zeit im 18. Jahrhundert. So, gut, dann schlage ich vor, wir gehen mal eine Etage tiefer. [Treppensteigen]

00:14:07 Aurelius UNVERSTÄNDLICH.

00:14:10 Bibliotheksf├╝hrer Habt ihr schon mal was von Baron M├╝nchhausen geh├Ârt?

00:14:13 Aurelius Nein.

00:14:15 Bibliotheksf├╝hrer Gut. [Lachen] Dann zeige ich euch trotzdem mal ein paar M├╝nchhausen B├╝cher. So, hier sind M├╝nchhausen Geschichten aufgeschrieben. Der hat also ganz unglaubliche Abenteuer erlebt. Hier zum Beispiel war er in Russland. In Russland gibt es viel Schnee. Naja, dann hat er sein Pferd dann angebunden und am anderen Morgen war der Schnee weggetaut und das Pferd hing oben an der Kirchturmspitze. L├╝gengeschichten sagte man da. So, das ist das bekannteste Buch, was wir hier im Hause haben. Es war mal das teuerste Buch auf der ganzen Welt. Da hat man so viel Geld daf├╝r bezahlt, da h├Ątte man ├╝ber 300 Autos, sch├Âne Autos, davon kaufen k├Ânnen. K├Ânnt ihr euch das vorstellen? [Lachen] Ist das Evangeliar Heinrichs des L├Âwen und seiner Frau Mathilde. So, hier ist alles von Hand gemacht. Ja, das Buch ist etwa 800 Jahre alt. Das ist nicht das Original. Das ist eine Nachbildung.

00:15:28 Stefan Ja?

00:15:30 Bibliotheksf├╝hrer Ist etwa 800 Jahre alt und liegt jetzt hier bei uns im Tresor, denn, wie gesagt, wir sind hier in einem Schatzhaus f├╝r B├╝cher.

00:15:42 Aurelius Was ist das eigentlich?

00:15:43 Bibliotheksf├╝hrer Das ist der Deckel. Das ist nicht das Originalbuch. Hier hat man ein Foto gemacht von dem Deckel des Buches. Wundersch├Ân gestaltet, ne?

00:15:56 Aurelius Ist das eigentlich -

00:15:57 Bibliotheksf├╝hrer Bitte?

00:15:58 Aurelius Wie ist das eigentlich? War das eigentlich dann UNVERSTÄNDLICH oder wurde das gemalt, das Gold da?

00:16:07 Bibliotheksf├╝hrer Das ist gegossen - Messing - und hier in der Mitte ist eine Kapsel und da sind Reliquien drin, also Knochen von Heiligen.

00:16:20 Stefan Ok.

00:16:23 Bibliotheksf├╝hrer Das ist nachtr├Ąglich. Dieser Einband ist nachtr├Ąglich geschaffen worden, aber auch schon uralt.

00:16:32 Juna Eine Frage: Ist das dadrauf echtes Gold oder -

00:16:37 Bibliotheksf├╝hrer Nein, nein, das ist kein Gold. Das ist vielleicht vergoldet. Ja, aber echtes Gold, das w├Ąre viel, viel, viel zu teuer geworden. Das ist eine Holzplatte - wahrscheinlich eine Holzplatte - und da ist ein Samttuch darunter und dann hat man diese Beschl├Ąge da aufgebracht.

00:16:55 Juna Ah.

00:17:01 Bibliotheksf├╝hrer So, das ist hier ein Globus von einem ganz ber├╝hmten Kartographen, Gerhard Mercator, 1541. Er hat immer einen Himmelsglobus und einen Erdglobus verkauft. Es gibt, glaube ich, nur noch insgesamt 22 St├╝ck. Ganz erstaunlich, was 1541 schon dargestellt werden konnte.

00:17:23 Stefan Ja.

00:17:24 Bibliotheksf├╝hrer Ganz erstaunlich. So, und hier ist so ein Ger├Ąt, das zeichnet wahrscheinlich die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit auf.

00:17:36 Stefan Ach, ich dachte, das w├Ąre f├╝r Erdbeben, aber nein.

00:17:39 Bibliotheksf├╝hrer Nein, nein. Nein, nein, denn es muss ja gew├Ąhrleistet sein, dass es hier nicht zu feucht wird. ├ťbrigens: Das ist das gr├Â├čte der aufgestellten B├╝cher - 12kg. Zwei von denen sind schwerer als du. Hier ist das kleinste der aufgestellten B├╝cher. K├Ânnt ihr es sehen? Ja?

00:18:08 Aurelius Ja.

00:18:09 Bibliotheksf├╝hrer Das ist aber nicht das kleinste, was wir haben. Das kleinste ist so gro├č wie mein Daumennagel. So gro├č wie eine Briefmarke. Gedruckt und gebunden.

00:18:21 Aurelius Ganz sch├Ân klein.

00:18:22 Bibliotheksf├╝hrer Ja, ja. Das ist das Kabinett Zapf. Hermann Zapf und seine Frau haben etwa 200 Alphabete gestaltet. Sie haben die Schriftgestaltung der zweiten H├Ąlfte des 20. Jahrhunderts ganz entscheidend mitgepr├Ągt und er hat nicht nur lateinische Alphabete gestaltet, sondern auch kyrillische und arabische Schriftzeichen gestaltet. Also sehr einflussreich. Er war ein Pionier der Computer-Schriften, hatte eine Professur f├╝r die Computerschriften in den USA. Latino stammt zum Beispiel von ihm. Dann, was haben wir hier noch? Italic, dann die Dingbats gehen auch auf ihn zur├╝ck und so weiter und so weiter und alles, was hier an der Wand zu sehen ist, ist mit der Hand geschrieben. Kuckt euch das mal an.

00:19:31 Stefan Wahnsinn.

00:19:33 Bibliotheksf├╝hrer Mit der Hand, nicht gedruckt.

00:19:37 Juna Eine Frage.

00:19:38 Bibliotheksf├╝hrer Ja?

00:19:43 Juna Was wollte ich noch mal fragen? Ach, ich wei├č es wieder. Was soll eigentlich dieses Zeichen da?

00:19:51 Bibliotheksf├╝hrer Das ist Yin und Yang. Das ist ein koreanisches und asiatisches Zeichen. Das hat sehr viele Bedeutungen. M├Ąnnlich und weiblich und ich wei├č nicht was. Gut und b├Âse. Gute Frage. Hat mich noch niemand gefragt.

00:20:10 Aurelius Ist das sowas? So eine -

00:20:13 Bibliotheksf├╝hrer Das ist so eine Druckplatte, ne? Mit dieser Platte ist das Blatt gedruckt worden.

00:20:18 Aurelius Ok.

00:20:20 Bibliotheksf├╝hrer Spiegelverkehrt.

00:20:21 Aurelius Und damit wurden dann -

00:20:22 Bibliotheksf├╝hrer Das sind die Stichel. Damit wird dann die Rille gestochen. Graviert nennt man das.

00:20:33 Juna Eine Frage.

00:20:34 Bibliotheksf├╝hrer Ja.

00:20:36 Juna Gab es da noch kein Schwarz und Wei├č oder warum ist das -

00:20:40 Bibliotheksf├╝hrer Nein, nein, das ist - doch, doch, doch, doch. Da hat man halt Gold genommen als Untergrund, ne? So, und hier zum Abschluss noch ein Spruch: Der Mensch lebt so dahin und nimmt es nicht in Acht, wie jede Stunde ihm sein Leben k├╝rzer macht. [Lachen] Tja. Ja, ihr habt eine ganze Menge Fragen gestellt. Normalerweise fragen Kinder sehr wenig, aber man merkt, dass ihr schon eine Ahnung von Bibliotheken habt, dass ihr Bibliothekskunden seid.

00:21:15 Stefan Ja.

00:21:16 Bibliotheksf├╝hrer Ich muss jetzt leider los.

00:21:18 Stefan Kein Ding. Vielen, vielen Dank. Es war sehr gut. Hat mir sehr gefallen.

00:21:22 Bibliotheksf├╝hrer Sch├Ân.

00:21:22 Stefan Und danke, dass Sie sich so den Kindern auch angenommen haben.

00:21:25 Bibliotheksf├╝hrer Ja, nat├╝rlich. Deshalb -

00:21:28 Stefan Sagt ihr mal Tsch├╝├č?

00:21:28 Bibliotheksf├╝hrer Deshalb bin ich ja mitgegangen. Also alles Gute, ne? Habt ihr jetzt Ferien oder was?

00:21:32 Aurelius Ne, nur langes Wochenende.

00:21:35 Bibliotheksf├╝hrer Ach, jetzt wegen Himmelfahrt.

00:21:36 Stefan Genau.

00:21:36 Bibliotheksf├╝hrer Also.

00:21:37 Stefan Danke, bis dann.

00:21:37 Bibliotheksf├╝hrer Tsch├╝├č.

00:21:37 Stefan Tsch├╝├č.

00:21:38 Bibliotheksf├╝hrer Ade.

00:21:40 Stefan-Off Nach unserem Besuch in der Bibliothek sind wir ins Stadtbad Okeraue gegangen. Das ist das Schwimmbad in Wolfenb├╝ttel und das ist ein richtig, richtig gutes Schwimmbad. Der Preis ist recht g├╝nstig. Ich habe bezahlt f├╝r einen Erwachsenen und zwei Kinder 11,50ÔéČ f├╝r die Tageskarte. Kann man nichts zu sagen. Und das ist ein richtig tolles Schwimmbad. Aurelius, wie hat dir das gefallen?

00:22:04 Aurelius-Off Mir hat das Schwimmbad auch sehr gut gefallen. Neben dem Schwimmbad ist auch noch so ein kleiner Minigolfplatz. Da waren wir auch mal kurz. Der war auch sehr gut.

00:22:16 Stefan-Off Genau, den muss man aber extra bezahlen.

00:22:21 Aurelius-Off Ja, und im Sommer kann man auch das Dach hochfahren. Also wie beim Cabrio.

00:22:27 Stefan-Off Genau, das Schwimmbad hat so ein Dach, das man verschieben kann. Das wird im Sommer aufgemacht. Ansonsten gibt es da mehrere Schwimmbecken, also es gibt f├╝r Babys was, f├╝r kleine Kinder was, es gibt einen Schwimmer-Bereich, also zum Bahnenschwimmen und noch ein drittes Becken, es gibt einen Au├čenbereich, es gibt so ein angeschlossenes Freibad. Es ist eine riesige Anlage. Wahrscheinlich mit das sch├Ânste Schwimmbad, was ich in Deutschland jemals gesehen habe. Oder, Aurelius, hast du schon mal ein sch├Âneres gesehen?

00:23:00 Aurelius-Off Ich glaube nicht. Nein.

00:23:02 Stefan-Off Ne, gell? Also wenn man da mal in der N├Ąhe ist, auf jeden Fall da hingehen. Das ist auf jeden Fall gut investierte Zeit, gut investiertes Geld. Am zwoten Tag sind wir dann ins Stadtzentrum gegangen, auf den Rathausplatz und haben da eine Stadtf├╝hrung gemacht. Und da blende ich jetzt ein.

00:23:23 Stefan Das UNVERSTÄNDLICH ist da, aber da treffen sich Leute. Vielleicht treffen die sich da. Vielleicht ist das falsch kommuniziert. Wir gehen mal da vorne hin.

00:23:31 Stadtf├╝hrer Morgen.

00:23:32 Stefan Guten Morgen.

00:23:32 Stadtf├╝hrer Sie sind Herr Wintermeyer, ne?

00:23:34 Stefan Genau. Herr Higl?

00:23:34 Stadtf├╝hrer Ja. Gr├╝├če Sie recht herzlich. Hallo.

00:23:35 Stefan Das sind meine Kinder.

00:23:37 Stadtf├╝hrer Hallo, gr├╝├čt euch.

00:23:38 Stefan Das ist die Juna.

00:23:39 Stadtf├╝hrer Hallo.

00:23:39 Juna Hallo.

00:23:40 Stefan Jawohl jetzt machen wir -

00:23:42 Stadtf├╝hrer Ach, ja, kein Problem. Ich wollte einfach nur mal die Augen gesehen haben, ne?

00:23:44 Stefan Ok.

00:23:46 Stadtf├╝hrer Gut, ja, Wolfenb├╝ttel. So ein bisschen Allgemeines haben Sie vielleicht geh├Ârt, aber ein paar Sachen einfach vorweg.

00:23:50 Stefan Ja.

00:23:50 Stadtf├╝hrer Erst mal: Wenn Fragen sind, immer raus damit, ne? Ihr geht schon zur Schule bestimmt?

00:23:54 Aurelius+Juna Ja.

00:23:55 Stadtf├╝hrer Und da habt ihr auch gelernt: Es gibt keine dummen Fragen. Gut, so ein paar Formalien nur vorweg: 1118 die erste urkundliche Erw├Ąhnung. Man wei├č in der Regel bei alten Orten nie, wie alt sind sie wirklich.

00:24:05 Stefan Ja.

00:24:06 Stadtf├╝hrer Klar, kann auch 100 Jahre schon ├Ąlter sein, aber wann steht zum ersten mal auf einer Urkunde mit Siegel und Wappen das Datum 1180? Und wenn ihr jetzt mal da draufkuckt - ihr k├Ânnt ja schon lesen bestimmt.

00:24:14 Aurelius Ja.

00:24:15 Stadtf├╝hrer Aha. Was f├╝r eine Zahl steht da oben?

00:24:18 Aurelius 900?

00:24:19 Stadtf├╝hrer 900, das hei├čt, Wolfenb├╝ttel feiert in diesem Jahr Geburtstag, einen besonderen Geburtstag. 900 Jahre.

00:24:23 Stefan Ja.

00:24:24 Stadtf├╝hrer Ist eigentlich relativ sp├Ąt, die erste urkundliche Erw├Ąhnung oder Gr├╝ndung, wenn man das ruhig mal so bel├Ąsst, denn hier gibt es Orte um Wolfenb├╝ttel herum so 8., 9. Jahrhundert.

00:24:35 Stefan Ja.

00:24:35 Stadtf├╝hrer Von den Sachsen gepr├Ągt die Region.

00:24:36 Stefan Ok.

00:24:37 Stadtf├╝hrer Wir sind ja hier in Niedersachsen, ne?

00:24:39 Stefan Ja.

00:24:40 Stadtf├╝hrer Also, aber in diesem Jahr - und wenn ihr dann im Sommer noch mal wiederkommt, gibt es viele Feste, Stadtgrabenfest, Altstadtfest. Dieses Jahr ganz aktuell jetzt Lessingfest - haben Sie vielleicht auch gelesen. Toleranz und Verantwortung ist so dieses Stichwort et cetera. Also einfach dieses Jahr ist richtig was los. Die Wolfenb├╝tteler sind sonst mehr so die bisschen Ruhigen, Bed├Ąchtigeren, aber wenn gefeiert wird, dann kommen sie alle so raus, ne? Ja, zum Namen vielleicht noch etwas: Der Name Wulferisbuttler kommt praktisch auch aus der damaligen Zeit - der Urname von Wolfenb├╝ttel. Wulferis war so ein alter s├Ąchsischer Eigenname.

00:25:14 Stefan Ja.

00:25:15 Stadtf├╝hrer Von einem der Sachsen, die hier geherrscht haben, und Buttle stand so f├╝r kleines Anwesen, kleine Gemeinde, kleiner Ort. Wo kommt ihr - aus, war das?

00:25:22 Stefan Koblenz. Koblenz, genau.

00:25:24 Stadtf├╝hrer UNVERST├äNDLICH so ein bisschen gekuckt hier. Ist nat├╝rlich ein bisschen gr├Â├čerer Ort hier. Das ist schon klar.

00:25:27 Stefan Wie viele Einwohner hat Wolfenb├╝ttel?

00:25:29 Stadtf├╝hrer Also insgesamt 55.000 und dazu geh├Âren aber etwa so zehn D├Ârfer um Wolfenb├╝ttel herum, die eingemeindet sind, die mittlerweile zur Stadt dazugeh├Âren.

00:25:37 Stefan Ah, ok.

00:25:38 Stadtf├╝hrer Der eigentliche Kernbereich sind ungef├Ąhr so 45.000. Also ein kleines Mittelst├Ądtchen kann man sagen, Mittelzentrum, und unser Oberzentrum ist ja nicht weit weg von hier - die Stadt Braunschweig.

00:25:48 Stefan Ah, ok.

00:25:49 Stadtf├╝hrer Gut, ja, das dazu so ein bisschen. Ja, hier in diesem Bereich - das ist so der Hauptbereich von Wolfenb├╝ttel, sagen wir mal, das Zentrum von Wolfenb├╝ttel: Der Stadtmarkt. Mittwochs ist hier Markttag, Samstags ist hier Markttag und ich sage es immer so: Samstags f├╝r jeden richtigen Wolfenb├╝tteler - der nimmt auch seine Kinder mit. Was macht man vormittags? Geht in die Stadt auf den Markt. Ja, gepr├Ągt ein Schwerpunkt durch das Rathaus, vor dem wir hier so stehen. Das ist ungef├Ąhr so 400 Jahre alt, also um 1600 entstanden.

00:26:17 Stefan Ja.

00:26:18 Stadtf├╝hrer Und hier war alles sehr sumpfig, sehr morastig. Hier musste man erst mal das Ganze trockenlegen, damit man ├╝berhaupt so langgehen kann, so wie wir das heute machen, damit man vern├╝nftig hier gehen kann, und dann wurde hier, wie gesagt, das Rathaus errichtet und das war der Kernbereich des Rathauses und dann ging es immer weiter, immer gr├Â├čer wurden die Aufgaben der Stadt, die Einwohnerzahl wuchs, also wurde der Bereich auch gr├Â├čer. So, jetzt habe ich eine Frage an euch: Wisst ihr, was eine Elle ist?

00:26:45 Aurelius Ja.

00:26:45 Juna Ich habe es, glaube ich, schon mal geh├Ârt.

00:26:46 Stadtf├╝hrer Was ist eine Elle?

00:26:48 Juna Ich habe es vergessen, aber ich wei├č es, glaube ich.

00:26:50 Aurelius Ich glaube, irgendwie das hier. Also so ein Messger├Ąt.

00:26:51 Stadtf├╝hrer Ja, du fasst es schon an hier, ne? Das ist eine Elle.

00:26:54 Juna Ach ja, stimmt. Bei Englisch haben wir das ja letztens gelesen.

00:26:57 Stadtf├╝hrer Genau, und eine Elle war fr├╝her wichtig. F├╝r was war eine Elle wichtig?

00:27:02 Aurelius Messen.

00:27:03 Stadtf├╝hrer Zum Messen, genau.

00:27:04 Juna Ich wei├č das. In Englisch, da haben wir n├Ąmlich so ein kleines Englischbuch gemacht mit den K├Ârpermessger├Ąten.

00:27:13 Stadtf├╝hrer Ok, und jeder von uns hat eine andere Elle, ne? Ist so, ne? Deine ist ein bisschen k├╝rzer - die w├Ąchst nat├╝rlich noch - als meine. Ihre ist wahrscheinlich noch ein bisschen l├Ąnger als meine. Ist ein bisschen gr├Â├čer. Und so war es fr├╝her auch in den St├Ądten. Jeder Ort hatte seine eigene Elle gehabt, ne? Und wisst ihr denn, wie lang die Wolfenb├╝tteler Elle ist?

00:27:31 Aurelius Äh, nein.

00:27:31 Stadtf├╝hrer Ne, ne? Ich auch nicht. Wollen wir mal nachmessen gehen?

00:27:35 Aurelius Ok.

00:27:36 Stadtf├╝hrer Ja? Dann kommt mit. Dann kucken wir mal. So, jetzt kuckt euch mal um. K├Ânnt ihr euch vorstellen, wo vielleicht die Elle ist? Die Wolfenb├╝tteler Elle. Wird schon fast ganz hei├č. Ihr verbrennt euch vielleicht dran.

00:27:56 Juna Sowas?

00:27:56 Stadtf├╝hrer Ja, genau, das ist die Wolfenb├╝tteler Elle. Hat man extra hier festgemacht, dass nicht jeder die mit nachhause nimmt. Dann vergisst man die vielleicht, wieder zur├╝ckzubringen. So, und von wo bis wo geht das Ma├č der Elle jetzt? Kuckt euch das mal an. Hallo, Wolfang, gr├╝├če dich.

00:28:13 Aurelius Ich glaube, von hier bis da.

00:28:16 Stadtf├╝hrer Ja, noch was ganz - von da, genau. Praktisch von hier. Hier f├Ąngt sch├Ân dieser grade Bereich an. Das ist noch so ein bisschen UNVERST├äNDLICH oder irgendwo muss die Elle ja fest sein. Also von hier bis nach da und das ist eigentlich - wenn man das so sieht -

00:28:27 Stefan Ist deutlich l├Ąnger als eine Menschenelle, ja.

00:28:29 Stadtf├╝hrer Eine ganz sch├Ân lange Elle hier, ne?

00:28:31 Stefan Ja.

00:28:31 Stadtf├╝hrer Warum auch immer das entstanden ist. Also die Frage konnte mir bis dato auch keiner beantworten. Man muss sich einfach nur mal einigen auf ein Ma├č und das war es halt. So, jetzt kannst du nachmessen. Also wie lang ist die Elle? Ich wusste es auch nicht, dann merke ich mir das gleich mal f├╝r folgende Generationen.

00:28:45 Aurelius UNVERSTÄNDLICH bei Null.

00:28:49 Stadtführer Genau, das ist richtig. UNVERSTÄNDLICH. Ok, und wie viel ist sie?

00:28:56 Aurelius Ungef├Ąhr 57cm und 5mm.

00:29:04 Stadtf├╝hrer 5mm, ok. Also 57,5cm. Ok, also das muss ich mir jetzt auch mal merken, ne? Also das war jetzt ein L├Ąngenma├č. Wenn sich gestritten wurde in der Stadt - es wurden Stoffe zum Beispiel verkauft. Da ging es auch nach der L├Ąnge. Wie lang ist denn der Stoff jetzt? Und man hat sich nicht geeinigt, dann hat man gesagt: Komm, ab ins Rathaus, hier ist das richtige L├Ąngenma├č, die Elle, und dann kucken wir mal, was jetzt UNVERST├äNDLICH, und da geht es ja auch darum: Was muss bezahlt werden? Und das Besondere an der Stadt - aber das k├Ânnen wir am Modell noch mal sehen - dass hier praktisch so diese ganzen Stra├čen im Kernbereich alle geplant aufgebaut worden sind in Ost-West-Richtung. Das hei├čt, aus dem Osten kommend die Stra├čen alle auf den Mittelpunkt der damaligen, kleinen Welt hier zuliefen, n├Ąmlich auf das Schloss, wo der Herzog residiert hat.

00:29:50 Stefan Ok.

00:29:50 Stadtf├╝hrer Das war so der Hintergrund. Sonst viele St├Ądte hier - waren Sie Goslar zuf├Ąllig schon mal hier in der N├Ąhe hier?

00:29:55 Stefan Irgendwann, aber schon lange her, ja.

00:29:58 Stadtf├╝hrer Auch eine ganz tolle Fachwerkstadt, aber alles, so die Stra├čen, krumm und schief. Ich sage mal, so wie die Gosau, so ein Fluss, geflossen ist, so hat man halt die H├Ąuser hingepackt. Hier hat man auf dem Rei├čbrett diese Linien gezogen und alles praktisch dann so hier in diese Richtung auslaufen lassen zum Schloss, wo wir nat├╝rlich auch gleich mal UNVERST├äNDLICH. So, zu diesem Platz hier: Das sind die Krambuden. Der Name wird euch erst mal nichts sagen. Und fr├╝her die Leute - hier seht ihr ja viele Gesch├Ąfte hier so drinnen, ne? Hier ├╝berall. Und fr├╝her die Kaufleute - heute sagen wir Kaufleute dazu, ne? Und fr├╝her waren das die Kr├Ąmersleute. So hie├č es fr├╝her. Die Kr├Ąmersleute. Und deswegen waren das fr├╝her die Krambuden. Daher kommt der Name halt. Die Krambuden. Und jetzt, wenn ihr mal hier nach oben vielleicht kuckt hier, da seht ihr oben so ein Tor da oben drinnen und da oben so einen Ausleger, der so aus der Wand rauskommt.

00:30:48 Juna Ich glaube, das ist halt - da hat man -

00:38:52 Aurelius Mehl vielleicht.

00:38:53 Juna Ja. Also Waren halt hochgezogen.

00:31:00 Stadtf├╝hrer Genau. Da sieht du auch so eine Rolle dadrin, wenn man genau hinkuckt. Da war so ein Seil da drin und dann konnte man das - h├Ąufig waren es ja auch S├Ącke, die man hatte. S├Ącke oder Kisten. Und dann konnte man an dem Seil die Kisten nach oben ziehen oder die S├Ącke nach oben ziehen - Mehl oder auch andere Dinge . dann hat man die Klappe aufgemacht und dann konnte man das sch├Ân wunderbar einlagern.

00:31:17 Stefan Gibt es echt ├╝berall. Kuck mal, hier auch.

00:31:18 Stadtf├╝hrer ├ťberall. Seht ihr da noch, ne? Hier, genau.

00:31:21 Aurelius Ist mir noch gar nicht aufgefallen.

00:31:22 Stefan Ja, habe ich auch noch nicht gesehen.

00:31:24 Stadtf├╝hrer Ja, ja, genau.

00:31:25 Juna Mir schon.

00:31:25 Stadtf├╝hrer Man kuckt ja auch selten nach oben, wenn man durch so eine Stadt geht, ne? So, das ist jetzt das sch├Âne Schloss hier. Fr├╝her war hier mal eine Burg, aber wenn man so als Herrscher sich darstellen will, wenn man so G├Ąste empfangen will - so eine Burg habt ihr bestimmt auch schon gesehen, ne?

00:31:38 Aurelius+Juna Ja.

00:31:39 Stadtf├╝hrer So dicke, gro├če Mauern und so weiter. Aber das hat nichts Sch├Âne eigentlich, ne? Und da hat der Herzog gesagt vor 300 Jahren: Aus der Burg, da mache ich was Sch├Ânes. Ein sch├Ânes Schloss. Die Burg mache ich viel gr├Â├čer. Sch├Âne Fenster baue ich hier rein. Sch├Âne Figuren, also das alles, was ihr hier seht, und so, wenn man jetzt hier jemanden besucht, denkt man: Oh, das ist ja ein sch├Âner Standort. Hier komme ich gerne zu Besuch hin. In so eine Burg - naja, was anderes vielleicht. So, und das ist jetzt so praktisch die Au├čenmauer der Burg hier. Bis hier ging die Burg. Das war eine Wasserburg, deswegen ist auch ein Wassergraben um die Burg und hier sieht man, hier war das alte Tor drinnen. Und hier in dem Bolzen praktisch UNVERST├äNDLICH, hier hat das Tor drinnen gehangen. Da kann man sich vorstellen hier, was das f├╝r ein Tor gewesen sein mag, ne?

00:32:28 Stefan Ja.

00:32:29 Stadtf├╝hrer Da konnte man nicht einfach mal so, wie man das heute im Fernsehen sieht, mal so ein bisschen gegentreten und dann ist das aufgegangen oder kaputtgegangen. Also hier war schon richtig eine ganz massive T├╝r, Tor drinnen halt.

00:32:38 Aurelius Das sieht man.

00:32:38 Stadtf├╝hrer Das sieht man, ne? Genau. So, jetzt habe ich hier eine Aufgabe an euch.

00:32:42 Juna Ja?

00:32:44 Stadtf├╝hrer Kuckt euch mal die Fenster hier an. Vielleicht f├Ąllt euch bei den Fenstern ja ein bisschen was auf.

00:32:46 Aurelius Ich sehe es. Das habe ich schon eigentlich gestern gesehen.

00:32:50 Stadtf├╝hrer Ach, kennst du schon. Ja, n├Ąmlich?

00:32:52 Aurelius Die sind manchmal gemalt.

00:32:54 Stadtf├╝hrer Ja, genau. Hast du also schon gesehen gestern, ok. Und wenn man genau hinkuckt, dann sieht man: Das sind eine ganze Menge, die nur gemalt sind, ne? Nicht nur diese hier so, sondern wenn ihr auch nach oben da kuckt, ja?

00:33:04 Aurelius Ja.

00:33:05 Stadtf├╝hrer Also ich sage mal so: Round about fast jedes dritte, vierte Fenster vielleicht - UNVERST├äNDLICH. Ich habe sie noch nicht einmal gez├Ąhlt. M├╝sste man mal machen - sind aufgemalt. Und wenn man manchmal gar nicht so genau hinkuckt, dann merkt man das gar nicht, ne? Oder ist das euch gestern gleich aufgefallen, dass die aufgemalt waren?

00:33:20 Aurelius Nicht direkt.

00:32:21 Stadtf├╝hrer Nicht direkt, ne? Man muss da schon genau hinkucken so. Ist manchmal auch eine Frage: Wie ist das Licht so, ne? Manchmal kann man es sehr sch├Ân sehen und manchmal, wenn es ein bisschen schummrig ist, merkt man das gar nicht so, ne? Und warum hat man das gemacht? Ha.

00:33:32 Juna Ach so, damit die Angreifer dachten, da w├Ąren Fenster und dann haben die da geschossen vielleicht.

00:33:37 Stadtf├╝hrer Die Idee ist schon gar nicht so ganz schlecht. Von au├čen w├╝rde es gut passen. Auch von au├čen sind einige aufgemalt, aber hier geht es jetzt mehr um die G├Ąste, die zu Besuch kommen. So wie ihr, ne? Was wollte man denen zeigen?

00:33:48 Aurelius Dass man gut malen kann oder dass es sch├Ân aussieht.

00:33:52 Stadtf├╝hrer Dass es sch├Ân aussieht, ne? Kuck mal, so sch├Ân gleichm├Ą├čig. Man kommt hier rein und sch├Ân gleichm├Ą├čig alle diese Fenster, ne? Wunderbar, ne? Und ├╝berall, wo jetzt die Fenster aufgemalt sind - wenn man das nur h├Ątte so einfach angemalt, dann w├╝rde es sehr unruhig aussehen, ne? Dann hat man mal Fenster, mal hat man wieder keine, dann hat man mal wieder welche. Das wirkt dann so ein bisschen gestoppelt, ne? Und so sieht es sehr sch├Ân gleichm├Ą├čig aus und man denkt: Oh, das ist ja ein toller Hof hier eigentlich. Alles voller Fenster.

00:34:20 Aurelius Aber der Herzog, war das eigentlich August - war das eher der Vorname oder der Nachname?

00:34:26 Stadtf├╝hrer Die hatten oft nur einen Namen gehabt. Die hatten nur einen Namen. Manchmal hatten sie noch einen Zusatz gehabt und zwar das war Herzog August, der J├╝ngere, weil es mehrere Augusts gab. In Dresden zum Beispiel gab es Herzog August, den Starken, und dann gab es den J├╝ngeren, dann gab es Herzog August dann - oder es gab noch andere Namen. Der Herzog Heinrich, der ├ältere, zum Beispiel. Wenn es mehrere Heinrichs gab, dann war der eine der ├ältere und der andere war der J├╝ngere. Dann gab es ganz verr├╝ckte Namen teilweise. Der Wunderliche gab es und Otto, der Kleine, und ach wie sie alle hie├čen da. Das ist ganz witzig. Aber eigentlich hatten sie nur einen Namen, aber oft so ein kleiner Zusatz, damit man wusste: Wer ist es denn genau von diesen verschiedenen, ne? So, fr├╝her gab es ja viele Pferde auch hier. Da gab es ja noch keine Autos im 16., 17. Jahrhundert. So, und wenn die Pferde mal Durst hatten - [Husten] Gesundheit - was haben sie dann gemacht? Was brauchten sie?

00:35:22 Aurelius+Juna Wasser.

00:35:23 Stadtf├╝hrer Ja, und wo haben sie das hergeholt?

00:35:24 Aurelius Da, glaube ich?

00:35:25 Stadtf├╝hrer Ja, genau. Das kann man ganz gut sehen, denn hier an so einer Mauer - das ist gar nicht so einfach, dass das Pferd was zu Trinken kriegt, ne? Und hier kann man sehr sch├Ân sehen: Das war die -

00:35:36 Aurelius Ich glaube, das hier war -

00:35:36 Stadtf├╝hrer Genau, das war die -

00:35:37 Aurelius Da war so ein Tor UNVERSTÄNDLICH.

00:35:39 Stadtf├╝hrer Also, aber in diesem Jahr - und wenn ihr dann im Sommer noch mal wiederkommt, gibt es viele Feste, Stadtgrabenfest, Altstadtfest. Dieses Jahr ganz aktuell jetzt Lessingfest - haben Sie vielleicht auch gelesen. Toleranz und Verantwortung ist so dieses Stichwort et cetera. Also einfach dieses Jahr ist richtig was los. Die Wolfenb├╝tteler sind sonst mehr so die bisschen Ruhigeren, Bed├Ąchtigeren, aber wenn gefeiert wird, dann kommen sie alle so raus, ne? Ja, zum Namen vielleicht noch etwas: Der Name Wulferisbuttler kommt praktisch auch aus der damaligen Zeit - der Urname von Wolfenb├╝ttel. Wulferis war so ein alter s├Ąchsischer Eigenname.

00:37:56 Juna Bei uns wurde gesagt, dass das sogar fr├╝her die gr├Â├čte - Bibliothek mit den meisten B├╝chern der Welt war.

00:38:10 Stefan Ja, fr├╝her war Europa und die Welt fast ├Ąhnlich.

00:38:13 Stadtf├╝hrer Fast gleich, ja. Ich habe es immer so von Europa geh├Ârt. Jetzt wei├č ich nicht, ob vielleicht noch im arabischen Raum oder so da hier -

00:38:21 Stefan Auf jeden Fall war es mit eine der gr├Â├čen.

00:38:23 Stadtf├╝hrer Ja, definitiv. Genau, also das ist so, genau. Und auch sehr wertvolle, teure B├╝cher. Da habt ihr einige gestern ja bestimmt auch in dem Raum gesehen, ne?

00:38:31 Stefan Ja.

00:38:32 Stadtf├╝hrer Und wie gesagt, Lessing hat hier gewohnt. Erst mal im Schloss, dann kam er hierher. Das Haus wurde frei, dann hat er hier seine Frau geheiratet, Eva K├Ânig. Da fing aber auch sein Ungl├╝ck an. Weihnachten 1777 hat sie ihm einen Sohn geboren, aber der hat die ersten 24 Stunden nicht ├╝berlebt und zu allem Ungl├╝ck ist dann sie 14 Tage sp├Ąter auch gestorben. Also da hat er Frau und Kind verloren. Das war keine leichte Zeit f├╝r ihn. Aber er hat die Emilia Galotti geschrieben in Wolfenb├╝ttel. Nathan der Weise kennt man vielleicht mit der Ringparabel, diese Figur. Dann hat er Nathan den Weisen - also er hat schon hier auch sehr, sehr viel gemacht und auch bewegt hier in Wolfenb├╝ttel und deswegen nennt Wolfenb├╝ttel sich auch Lessingstadt.

00:39:11 Stefan-Off Neben der Bibliothek gibt es noch ein anderes, kleines Museum und dort gibt es ein Modell der Stadt Wolfenb├╝ttel und das schauen wir uns jetzt mal an.

00:39:22 Stadtf├╝hrer Die fragen immer nach der Postleitzahl. Die m├╝ssten Sie dann -

00:39:25 Stefan 5-6-0-6-8.

00:39:27 Frau Warten Sie, so, jetzt habe ich es erst mal aufgenommen. 5 -

00:39:33 Stefan 6-0-6-8.

00:39:33 Frau Jawohl. Recht sch├Ânen Dank.

00:39:37 Stadtf├╝hrer Ok.

00:39:39 Juna UNVERSTÄNDLICH noch fragen?

00:39:41 Stadtf├╝hrer Ja, bitte.

00:39:41 Juna Ich hab es aber vergessen wieder.

00:39:42 Stadtf├╝hrer Gut. Wenn es dir einf├Ąllt, dann raus damit. So, das ist das alte Wolfenb├╝ttel vor ungef├Ąhr 250 Jahren. Also ein paar Jahre her, ne? Und was man erst mal sieht - ihr seht ja sehr viel Blau hier um Wolfenb├╝ttel herum.

00:39:57 Aurelius Ja, das sind die Fl├╝sse und so.

00:39:59 Stadtf├╝hrer Genau, das steht f├╝r Wasser, f├╝r die Fl├╝sse, ne? Das hei├čt, Wolfenb├╝ttel ist komplett von der Oker umflossen worden und auch viele Wasserwege - aber sieht man hier auch der gro├če Graben - gingen direkt durch Wolfenb├╝ttel durch. Und dann kann man eins noch ganz gut sehen: Wenn ihr hier mal so ein bisschen hinkuckt. Hier, hier so, ja? Das ist die Stadtmauer von Wolfenb├╝ttel. Muss man sich vorstellen so etwa 10m hoch. Ja, war schon ganz sch├Ân schattig hinter der Mauer hier, ja? Und das war der Schutz dann entsprechend gegen fremde Soldaten, gegen die Feinde. Die mussten erst mal durch das Wasser durch, wenn sie nach Wolfenb├╝ttel kommen wollten, und dann waren sie an der Mauer und wenn sie an der Mauer waren, dann wurden sie hier von diesen Bastionen - das sind so diese Eckpunkte - entsprechend beschossen, angegriffen, damit sie nicht ├╝ber die Mauer in die Stadt reinkonnten.

00:40:41 Stefan Ist das jemals passiert oder -

00:40:43 Stadtf├╝hrer Nein, in dieser Form nicht, aber ich sage gleich noch mal, dass Wolfenb├╝ttel zweimal geknackt worden ist. Da kommen wir gleich noch mal dazu. Sage ich gleich noch was zu. Also das waren die Bastione und hier waren dann immer so die Soldaten auch entsprechend mit ihren Waffen, mit ihren Kanonen und allem, was sie hatten, um entsprechend dann die Stadt zu verteidigen. Und dieser Bereich hier - da seht ihr das Schloss - das k├Ânnen wir, glaube ich, noch ganz gut erkennen - dahinter, diese Kapelle, die gibt es nicht mehr. Die ist dann auch irgendwann aus Holz - bauf├Ąllig gewesen. Hat man abgerissen, aber das Geb├Ąude, das kennt ihr hier. Wir stehen hier in diesem Geb├Ąude innen drin. Das ist fr├╝her mal eine Turnhalle gewesen. Die Jahnturnhalle. Das war die Turnhalle f├╝r das Gymnasium im Schloss, als da die ganzen M├Ądchen noch waren - nur M├Ądchen waren - hatten sie hier ihren Sportunterricht hier. Und ich hab hier mal Basketballspielen gelernt. Wolfenb├╝ttel ist eine Basketball-Stadt und da war hier fr├╝her so Basketball los. So, dann die Bibliotheksrotunde, die es heute nicht mehr gibt, wo du gefragt hattest: Wo stand die denn?. Das ist das Lessinghaus. Da sind wir hier so langgegangen. Heute - die Bibliothek steht etwa hier so, ne? Diese gro├če Bibliothek. Und das war die alte Bibliotheksrotunde. Die stand dann hier so auf diesem Rasen etwa.

00:41:50 Juna Habe ich auch mir schon gedacht.

00:41:51 Stadtf├╝hrer Ja? Genau.

00:41:53 Aurelius Was ist das da?

00:41:54 Stadtf├╝hrer Das war die alte Bibliothek. Hier war Lessing. Der wohnte hier in dem Haus. Also ein ganz wichtiger Schriftsteller. Und der hatte die Verantwortung f├╝r die Bibliothek, f├╝r die 135.000 B├╝cher.

00:42:04 Stefan Das hier sieht heute ganz anders aus. Diese Mauer gibt es nicht mehr. Wir sind quasi jetzt hier, wo das Wasser ist.

00:42:10 Stadtf├╝hrer Genau.

00:42:10 Stefan Und fr├╝her war das so.

00:42:13 Stadtf├╝hrer Und die ganzen Stadtmauern - mehr oder weniger - es gibt nur noch ganz, ganz wenig davon - hat man alle abgerissen. Man wollte die Mauer nicht mehr haben. Die hatten auch keine milit├Ąrische Bedeutung mehr und dann hat man dort, wo die Mauern waren, teilweise sehr sch├Âne H├Ąuser gebaut.

00:42:26 Stefan Wie viele Menschen haben jetzt hier ungef├Ąhr gewohnt?

00:42:28 Stadtf├╝hrer Also das waren ungef├Ąhr in der Zeit so 9.000 Menschen, die da damals waren. Und dann etwa, als der Herzog dann ausgezogen ist nach Braunschweig, dann sind etwa 3.000 Wolfenb├╝tteler mit ihm mitgegangen.

00:42:40 Stefan Oh.

00:42:41 Stadtf├╝hrer Handwerker, Soldaten, alles was dazugeh├Ârt - der ganze Hofstaat geh├Ârte dazu. Und das war eine ganz, ganz arme Zeit f├╝r Wolfenb├╝ttel damals.

00:42:48 Stefan Ja, ein Drittel, das macht einen Unterschied.

00:42:50 Stadtf├╝hrer Und Wolfenb├╝ttel hat sich wieder so ein bisschen gefangen. Warum? Um die Stadt herum wurden dann Fl├Ąchen frei, die fr├╝her so die Herz├Âge hatten so zum Reiten und was wei├č ich. Und dort hatten dann die B├╝rger Gartenbau betrieben, also Gem├╝se angebaut f├╝r sich selbst erst mal. Dann konnten sie damit Handel betreiben. Sind dann bis zum Harz gefahren. Und das war dann der n├Ąchste Schritt dann auch f├╝r die Industrialisierung von Wolfenb├╝ttel - der Aufbau von Konservenfabriken.

00:43:13 Stefan Ah.

00:43:14 Stadtf├╝hrer Da ging es dann Richtung Industrie, Arbeitspl├Ątze. Das war dann auch wieder f├╝r Wolfenb├╝ttel so eine Bl├╝tezeit und aus der Zeit daraus - man sagt immer noch Wolfenb├╝ttel fr├╝her Stadt der G├Ąrten und Schulen. Also wir hatten sehr viele G├Ąrten gehabt und sehr viele Schulen. Schulen eigentlich immer noch. G├Ąrten damals etwa 170 G├Ąrtner, Gartenbaubetriebe gab es, aber da gibt es auch nur noch ganz wenige. Und wer jetzt noch so in den letzten Jahrzehnten hier ein interessantes Gartenbaugebiet hatte und das verkaufen konnte als Bauland, der war nat├╝rlich gemacht, ne?

00:43:43 Stefan Ja.

00:43:43 Stadtf├╝hrer Der brauchte nicht mehr zu arbeiten.

00:43:46 Aurelius Eigentlich - was ist das eigentlich da? Oder diese Dinger und da?

00:43:52 Stadtf├╝hrer Das jetzt hier so?

00:43:53 Aurelius Ja.

00:43:53 Stadtf├╝hrer Also das k├Ânnte ich jetzt auch nicht so sagen. Ja, also die klassische Mauer ist halt - vielleicht waren das so UNVERST├äNDLICH - ich wei├č es nicht. Das kann ich jetzt gar nicht sagen. Das kann ich so nicht -

00:44:04 Juna Vielleicht UNVERSTÄNDLICH.

00:44:06 Stefan Also wahrscheinlich auch irgendwie so vielleicht ein Zaun oder sowas. So eine kleine Mauer.

00:44:10 Stadtf├╝hrer Kann vielleicht sogar sein.

00:44:12 Stefan Manchmal gibt es ja so mehrere Mauern hintereinander.

00:44:13 Stadtf├╝hrer Hintereinander, ne?

00:44:15 Juna Ja, weil da ist ja noch ein bisschen Land, wo wahrscheinlich dann die Tiere drauf waren und die Tiere -

00:44:22 Stadtf├╝hrer Also drau├čen hatten sie auch - die Felder waren ja alle drau├čen, das hei├čt, sie mussten dann - die B├╝rger und auch die Menschen - die Stadt verlassen, um ihre Felder zu bewirtschaften und und und. Aber das m├╝sste ich einfach - kann ich nicht sagen, nein. M├╝sste ich mich einfach mal erkundigen.

00:44:34 Aurelius Mussten die dann ├╝ber diese Stadtmauer gehen?

00:44:37 Stadtf├╝hrer Es gab auch Tor hier, ne? Da zum Beispiel siehst du mal, da ist so ein Tor hier, ne? Erst mal, das war der Urbereich von Wolfenb├╝ttel und dann wurde Wolfenb├╝ttel immer gr├Â├čer. Wolfenb├╝ttel passte gar nicht mehr hier rein, hat sich erweitert und dann kam erst mal dieser gro├če Bereich hier dazu. Das war die Heinrichstadt. Die hat der Herzog, Herzog Julius, gegr├╝ndet und nach seinem Vater benannt. Vater Heinrich war das. Das war dann dieser Bereich hier f├╝r die Leute, die viel Geld hatten. Die Kaufleute, die Fabrikanten, die Minister, die alle dann hier entsprechend im Zeughaus gearbeitet hatten. Da sieht man auch die gro├čen Kirchen dazu. Und dann gab es einen Bereich f├╝r die Leute, die nicht so viel Geld hatten, und das war auf der anderen Seite, in der Weststadt. Die Stadt hie├č dann Auguststadt. Hei├čt immer noch Auguststadt. Nach dem Herzog August benannt. Da waren die H├Ąuser alle ein bisschen kleiner, bisschen krummer, bisschen schiefer. Auch die Kirche eine kleine Kirche, die man da so sieht, ne? Im Gegensatz zu dieser gro├čen Kirche. Das kann man ganz gut vergleichen, glaube ich, ne? Also hatte jeder Bereich so seine eigenen Menschen, die da gelebt hatten. Also hier das war so f├╝r die Reichen und das war f├╝r die Armen. Und das war damals so der Hauptsitz des Herzogs.

00:45:38 Juna Und -

00:45:39 Stadtf├╝hrer Ja.

00:45:40 Juna Das sind, glaube ich, Handschellen.

00:45:43 Stadtf├╝hrer Ja, genau. Das sind so Sachen, die Handschellen und alles hier.

00:45:46 Juna Das da oben, das mit dem Runden, ist, glaube ich, f├╝r das Torschloss und dahinten, glaube ich, auch.

00:45:53 Stadtf├╝hrer Richtig.

00:45:55 Juna Das dicke Schloss.

00:45:56 Stadtf├╝hrer So, das ist mal so ein Blick so auf das Wolfenb├╝ttel. So, und jetzt zum Thema Eroberung von Wolfenb├╝ttel. Also Wolfenb├╝ttel war wirklich eine sehr massive Festungsstadt. Eine der massivsten Festungsst├Ądte in Deutschland. War konventionell mit Waffen kaum einnehmbar, selbst wenn man jetzt Kanonen hatte, die sehr stark waren. Man kam durch diese sumpfige Lage mit den Kanonen gar nicht so richtig an die Stadt auch ran. Trotzdem, im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg ist die Stadt zweimal geknackt worden. Was hat man gemacht? Dort hinten ist ja der Harz im S├╝den und die Oker flie├čt so Richtung Norden durch Wolfenb├╝ttel oder um Wolfenb├╝ttel herum Richtung Braunschweig. Und etwa so 3km au├čerhalb der Wolfenb├╝tteler Mauern, also au├čerhalb der Reichweite der Wolfenb├╝tteler Kanonen, hat man einen riesigen Damm aufgesch├╝ttet, den sogenannten Schwedendamm. Der Name kommt daher, weil auch schwedische Soldaten mit beteiligt waren an dieser ganzen Aktion und mittels dieses Dammes hat man die Oker aufgestaut. Immer h├Âher, immer h├Âher. Und dann stand die in Wolfenb├╝ttel etwa so 2,5m ├╝ber Normal, die Oker. Das hei├čt, die H├Ąuser sind damals zusammengebrochen - Lehm mit dem Facherholz. Krankheiten, Hygiene-Dinge waren katastrophal. Also die Stadt ist richtig abgesoffen und dann mussten sich nach drei bis vier Monaten jeweils die Menschen ergeben, die Tore ├Âffnen und dann konnten die fremden Soldaten in Wolfenb├╝ttel einmarschieren. Und das ist zweimal - 1627 und 1641 - passiert. ├ťber den Weg also geknackt.

00:47:15 Stefan Das ist ja eine interessante Taktik.

00:47:16 Stadtf├╝hrer Ja. Ja, ja, gibt noch ein sehr sch├Ânes Bild, wo man so aus der braunschweiger Sicht - da gibt es so ein Gem├Ąlde. Wei├č nicht, ob man das hier zuf├Ąllig sehen kann. Nein. Wo man das so sehen kann, wie das alles so unterwasser dann so ist. Ja, die riesen Wasserlachen dann. Hier kann man Wolfenb├╝ttel mal auf alten Bildern sehen auch hier. Die Stadtmauern kann man da auch ganz gut erkennen. Und drau├čen aber, au├čerhalb der Stadt, wie auch gearbeitet wurde, die Felder bewirtschaftet worden sind.

00:47:39 Aurelius Wieso eigentlich - da ab und zu sind hier irgendwie so kleine H├Ąuser au├čerhalb.

00:47:49 Stadtf├╝hrer Das hier, ja. Das ist was ganz Besonderes hier.

00:47:52 Aurelius Und da hinten.

00:47:54 Stadtf├╝hrer Da hinten auch.

00:47:54 Juna UNVERSTÄNDLICH ihr eigenes Feld dann hatten, dann -

00:47:58 Stadtf├╝hrer Also es kann sein, dass sie -

00:48:00 Juna Sind die vielleicht umgezogen.

00:48:01 Stadtf├╝hrer Vielleicht so kleine Buden teilweise auch hatten so, wie man das so in Bayern kennt, wo dann so Sachen untergestellt worden sind. Zu dem Haus, das kann ich ganz genau sagen, was da war. Da hat ein wichtiger Mensch gewohnt - ich wei├č nicht - aber mit dem wollte keiner was zu tun haben. Und zwar der Scharfrichter, der Henker, der also daf├╝r gesorgt hat - es gab ja fr├╝her noch so Leute, die wurden hingerichtet mit so einem Beil oder so. Und dieser Scharfrichter, mit dem wollte keiner was zu tun haben. Der musste also au├čerhalb der Stadt wohnen und das war das Haus des Scharfrichters. Also das war kein so sch├Ânes Kapitel.

00:48:39 Aurelius Also und das da hinten da?

00:48:43 Stadtf├╝hrer Das wei├č ich jetzt auch nicht.

00:48:45 Aurelius Und die M├╝hle ist -

00:48:47 Stadtf├╝hrer Die M├╝hle - das kann man sch├Ân sehen. Auf so einem kleinen H├╝gel auch. Das war eine Windm├╝hle, die entsprechend - damals wurde ja viel gemahlen. Gab viele Wasserm├╝hlen. Durch das Wasser nat├╝rlich ideal und man hat das Korn damals ja noch anders gemahlen als heute. Damals mit Wasserkraft, mit Windkraft, ne? Und deswegen gab es viele M├╝hlen. Das war was ganz Wichtiges damals. Der Name M├╝ller kommt ja auch daher, ne? Den kennt ihr ja bestimmt auch.

00:49:11 Aurelius Gab es da viele M├╝hlen oder nur eine?

00:49:13 Stadtf├╝hrer Also Windm├╝hlen kenne ich jetzt wirklich auch nur vom Modell die eine, aber in der Stadt gab es - da w├╝sste ich auch einige zu nennen - auch diverse Wasserm├╝hlen halt, wo das Wasser - an einer kommen wir auch vorbei. Da h├Ârt man auch noch das Rauschen. Da kann man sich gut vorstellen, dass da auch das M├╝hlrad dann war. Das zeige ich euch dann. So, dann w├╝rde ich sagen, jetzt gehen wir einfach mal eine kleine Runde hier drehen, ne?

00:49:29 Stefan Ja, ja.

00:49:31 Aurelius Kann ich noch eine Frage? Weil eigentlich haben die Feinde dann da so einen Graben aufgesch├╝ttet und dann ist das Wasser ├╝bergeflossen?

00:49:43 Stefan Nein, die haben hier einen Damm gebaut. Also die haben einfach hier in das Wasser rein Sachen reingeschmissen und dann hat sich das Wasser aufgestaut und ist h├Âher geworden und dann ist das nat├╝rlich in der Stadt auch h├Âher. Und 2m - stellt dir mal vor: Ich bin nicht mal 2m hoch. Ich bin 1,90m hoch. Das hei├čt, das Wasser stand hier ├╝ber meinem Kopf und dann haben die Leute aufgegeben.

00:50:07 Stadtf├╝hrer Ja, das ist klar, ne? Damit sie ├╝berhaupt ├╝berleben konnten.

00:50:11 Stefan Die haben dann einfach das Tor aufgemacht, haben gesagt: Dann kommt rein.

00:50:13 Stadtf├╝hrer Ja, genau.

00:50:14 Stefan Und dann haben die den Damm wieder abgegraben und dann ist das Wasser wieder abgeflossen.

00:50:18 Stadtf├╝hrer Genau. Ja, hier gibt es sch├Âne Hinterh├Âfe teilweise. So, aber eins m├Âchte ich euch da vorne noch mal zeigen. Ein Haus. Und zwar das H├Ąuschen hier. Habt ihr das schon mal gesehen hier?

00:50:29 Stefan Ach, das ist schmalste Haus. Ist das -

00:50:32 Stadtf├╝hrer Das ist das schmalste Haus von Wolfenb├╝ttel.

00:50:33 Stefan Ist das jetzt nicht eine Ferienwohnung oder sowas?

00:50:35 Stadtf├╝hrer Da ist eine Ferienwohnung drinnen, genau. Seit Fr├╝hjahr des Jahres. Eine junge Dame hat das gekauft und das ist das Sch├Âne. Das war so sieben, acht Jahre leer und sie hat das gekauft und dann wieder so ein bisschen aufgem├Âbelt. Das war vorher schon relativ gut, aber es war trotzdem leer. Und da kann man jetzt ├╝ber vier Etagen wohnen dann da. Ja, ganz urig. Wir haben uns das mal so vor acht Wochen mal ankucken k├Ânnen und das ist vorne sehr schmal. 2,10m.

00:50:58 Stefan Ja.

00:50:59 Stadtf├╝hrer Aber 12m lang. Es geht nach hinten richtig durch.

00:51:01 Stefan Ok.

00:51:02 Stadtf├╝hrer Und geht hinten so auf 3,40m auseinander.

00:51:04 Stefan Ah, ok.

00:51:05 Stadtf├╝hrer Ganz hinten ist auch die K├╝che. Man kann auch so ein kleines Sofa querstellen. K├Ânnte man. Kleiner, gem├╝tlicher Garten. Also nicht zu viel Arbeit, die man h├Ątte. Kann trotzdem nachmittags drau├čen sch├Ân sitzen und K├Ąffchen trinken, vom Westen die Sonne sich reinscheinen lassen. Aber man lebt ├╝ber vier Etagen halt, ne?

00:51:21 Aurelius Ist das eine Ferienwohnung oder mehrere?

00:51:24 Stadtf├╝hrer Eine. Ist eine. Aber mit mehreren Schlafzimmern auch. Also k├Ânnten Sie auch mal - eine Familie mit zwei Kindern k├Ânnten da auch sch├Ân Ferien machen und so weiter, ne? Ja, ganz urig eigentlich hier. Genau.

00:51:35 Stefan Das war es f├╝r heute. Vielen Dank f├╝r das Zuh├Âren. Ich hoffe, es hat Ihnen genauso viel Spa├č gemacht wie uns. An dieser Stelle noch ein herzliches Danke an die Stadt Wolfenb├╝ttel, die uns eingeladen haben und die die beiden super F├╝hrungen organisiert und bezahlt haben und die Unterkunft. Wie hat es euch gefallen?

00:51:53 Aurelius Mir hat es auch sehr gut gefallen. Hat eigentlich alles gut gefallen. Ja.

00:52:01 Juna Also mir hat es auch alles gut gefallen und es war sehr, sehr, sehr sch├Ân.

00:52:06 Stefan Ja, Wolfenb├╝ttel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. So, dann bis zum n├Ąchsten mal. Ach ja, wir w├╝rden uns ├╝ber eine Bewertung des Podcasts nat├╝rlich freuen und wie immer gibt es zus├Ątzliche Links auf der Homepage www.reisepassnummer.de. Bis zum n├Ąchsten mal. Tsch├╝├č.

00:52:21 Aurelius Tsch├╝├č.

00:52:22 Juna Tsch├╝├č.

00:52:23 Aurelius Tsch├╝├č.s

Folgen Sie Reisepassnummer auf @ Instagram